Corinna Ruppel Rechtsanwältin
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Pflichtteil trotz Enterbung

Ansprüche, wenn Angehörige im Testament nicht erwähnt werden

Im allgemeinen Sprachgebrauch spricht man von Enterbung, wenn Angehörige im Testament des Erblassers nicht bedacht wurden. Wer auf diese Weise enterbt wird, hat allerdings oft noch einen Anspruch auf einen Pflichtteil.

Das Wichtigste im Überblick

  • Im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet enterben, dass Angehörige per Testament nicht bedacht werden, wozu der Erblassers jederzeit das Recht hat
  • Ein „echtes“ Enterben gibt es nur in bestimmten Fällen, sodass dann selbst der Anspruch auf den Pflichtteil entfällt
  • Ob ein Pflichtteilsanspruch besteht, hängt von der gesetzlichen Erbfolge ab

Kann man enterbt werden und wie ist vorzugehen?

Jeder Erblasser hat das Recht, in seinem Testament bestimmte Angehörige zu bevorzugen und damit andere Angehörige von der Erbschaft auszuschließen. Enterbt bedeutet in dem Fall, dass Angehörige nicht im Letzten Willen des Erblassers bedacht wurden.

In der Praxis gibt es mehrere Formulierungen, die Erblasser in dem Zusammenhang wählen können. Eindeutig wäre zum Beispiel die Aussage: „Mein Kind soll nichts von meinem Vermögen erben“. Damit ist das Kind allerdings nicht im strengen Sinne wirklich enterbt, denn im steht noch ein Pflichtteil zu.

Enterbt: Pflichtteil geltend machen

Trotzdem der Erblasser einen Angehörigen im Testament nicht bedacht und somit in gewisser Weise enterbt hat, haben bestimmte Familienangehörige den Anspruch auf einen Pflichtteil. Dieser steht allerdings ausschließlich den Angehörigen zu, die in Paragraph 2303 BGB näher bezeichnet sind. Bei einer Enterbung haben folgende Angehörig einen Pflichtteilsanspruch:

  • Direkte Nachkommen (Kinder)
  • Ehepartner
  • Eltern des Erblassers (Sollte es keine Kinder geben)
  • Enkel und Urenkel (Falls Kinder nicht mehr leben)

Hat der Erblasser hingegen innerhalb seines Testaments zum Beispiel seine Geschwister nicht bedacht, also enterbt, haben diese keinen Pflichtteilsanspruch.

Welche Auswirkungen hat die Enterbung für andere Angehörige?

Wenn der Erblasser einen Angehörigen im Testament nicht berücksichtigt, also enterbt, stellt sich für andere Familienmitglieder die Frage: Was passiert mit diesem Anteil des Erbes? Sollte es sich bei der enterbten Person um einen gesetzlichen Erben handeln, so hat der Erblasser das Recht, dementsprechend eine andere Person einzusetzen.

Wird jedoch kein sogenannter Ersatzerbe festgelegt, kommt die gesetzliche Erbfolge zur Anwendung. In dem Fall verhält es sich in der Praxis so, dass die Kinder des enterbten Angehörigen dessen Anteil erhalten. Diese Aufteilung ist allerdings unberührt vom Pflichtteilsanspruch, den der enterbte Angehörige aufgrund seiner Rechtsstellung eventuell hat.

Enterbt ohne Pflichtteil: Geht das?

In schwerwiegenden Fällen besteht auch die Möglichkeit, dass der Angehörige tatsächlich keinen Euro vom Nachlass erhält, nicht einmal den Pflichtteilsanspruch. Der Gesetzgeber akzeptiert allerdings auf Grundlage des Paragraphen 2333 BGB nur wenige und sehr schwerwiegende Gründe, bei deren Vorliegen auch ein Pflichtteil entzogen wird.

Zum „vollständigen“ Enterben reicht es also nicht aus, dass der Erblasser die Person in seinem Testament lediglich nicht bedacht hat. Er muss seinen Willen deutlich äußern, den Angehörigen – unter Angabe eines Grundes – auch vom Pflichtteil ausschließen zu wollen.

Letztendlich entscheidet dann ein Gericht darüber, ob eine vollständige Enterbung und damit auch der Wegfall des Pflichtteils zulässig ist. In der Regel werden die folgenden Tatsachen und Gründe für den Entzug des Pflichtteils seitens der Gerichte anerkannt:

  • Mordversuch am Erblasser
  • Gesetzlicher Erbe wurde zu einer mindestens 1-jährigen Freiheitsstrafe (ohne Bewährung) verurteilt
  • Mord am Erblasser
  • Schwere Körperverletzung gegenüber Erblasser oder einer nahestehenden Person

Entgegen einer weit verbreiteten Meinung kann ein Pflichtteilsentzug hingegen nicht stattfinden, nur weil zum Beispiel das Kind sich nicht mehr um den Erblasser gekümmert oder der Kontakt vollständig abgebrochen hat.

Enterbt: Wie hoch ist der Pflichtteil?

Prinzipiell beläuft sich die Höhe des Pflichtteils auf die Hälfte des gesetzlichen Erbes. Steht einem Kind also beispielsweise auf Grundlage der gesetzlichen Erbfolge ein Anteil von 50 Prozent am Nachlass zu, liegt der Pflichtteil bei 25 Prozent.

Mitunter kann der Pflichtteil auch höher ausfallen, wenn es nämlich einen sogenannten Pflichtteilsergänzungsanspruch auf Grundlage der Paragraphen 2325ff BGB gibt. Einen derartigen Ergänzungsanspruch gibt es, falls der Erblassers zu Lebzeiten eine Schenkung an andere Angehörige vorgenommen hat. Natürlich ist der Pflichtteilsergänzungsanspruch zusätzlich an bestimmte Voraussetzungen gebunden.

Enterbt, was nun? Anwalt berät und hilft

Enterbt, was nun? Dieser Frage stellen jedes Jahr in Deutschland mehrere Tausend Menschen, die im Testament des Erblassers nicht bedacht wurden oder denen sogar der Pflichtteil entzogen werden soll. Der gesetzliche Erbe muss seinen Pflichtteil dann geltend machen.

Immer dann, wenn ein Erbe von der Erbschaft ausgeschlossen wurde, kann die Inanspruchnahme eines erfahrenen Rechtsanwaltes vorteilhaft sein. Sind Sie als Angehöriger enterbt worden, können Sie sich an die Anwaltskanzlei CDR-Legal wenden. Die Kanzlei hat sich auf Erbrecht spezialisiert.

Bereits im ersten, kostenfreien Telefongespräch informiert Sie die Kanzlei zum Beispiel grundsätzlich zu Pflichtteilsansprüchen. Darüber hinaus kann CDR-Legal Ihnen dabei helfen, korrekte Auskünfte über die Höhe des Nachlasses zu erhalten.

Möchten Sie rechtlich gegen die Enterbung vorgehen, wird Sie die Kanzlei CDR-Legal auf Wunsch auch bei Gericht vertreten. Natürlich sind auch andere Konstellationen denkbar, wenn Sie zum Beispiel einen anderen Erben für erbunwürdig halten. Auch dann können Sie mit der Hilfe der Kanzlei rechnen.

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Die Autorin

Corinna Ruppel – Rechtsanwältin für Bankrecht und Kapitalmarktrecht in Rosenheim (Oberbayern)

Corinna Ruppel nutzt ihre Fachexpertise aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Kreditspezialistin und Syndikusanwältin, um Privatpersonen und Unternehmen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht, Insolvenzrecht und Erbrecht zu beraten und zu vertreten. Dabei legt sie besonderen Wert auf Transparenz und eine vertrauensvolle Basis dem Mandanten gegenüber.

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