Baufinanzierung

Geno eG Wohnbaugenossenschaft in Insolvenz

Die Geno eG, vormals Genotec Wohnbaugenossenschaft, ist insolvent. Das Amtsgericht Ludwigsburg hat mit Beschluss vom 01.08.2018 das Insolvenzverfahren über die Gesellschaft eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Haffa von der Kanzlei Schultze & Braun bestellt. Mietglieder und ehemalige Mitglieder stellt sich nunmehr die Frage, was tun?

Geschäftsmodell der Geno eG

Die Geno eG warb u.a. mit dem Schlagwort „Mietkauf“. Gegen eine Einmal- oder Ratenzahlung wurde man Genosse. Der Genosse konnte sich nach einer bestimmten Wartezeit dann ein Objekt suchen und der Geno eG vorstellen. Diese hatte das Recht, die Finanzierung der Immobilie abzulehnen. Bei einem positiven Bescheid erwarb die Geno eG die Immobilie, der Genosse zog ein und zahlte eine „Miete“ und eine Sparrate. Nach spätestens 25 Jahren musste sich das Mitglied entscheiden, ob es die Immobilie als Eigentümer übernehmen will. Bereits im Jahr 2006 äußerte die Zeitung Finanztest Zweifel an dem Modell und wies u. a. darauf hin, dass der Mietkauf teurer ist als ein Bankkredit. 

Anmeldung der Forderungen gegen die Geno eG

Das Gericht hat festgelegt, dass spätestens zum 24.09.2018 die Forderungen schriftlich beim Insolvenzverwalter anzumelden sind. Wird die Frist versäumt, ist die Forderung schnellstmöglich nachzumelden. Aber welche Forderung ist in welcher Höhe anzumelden?

Eine Reihe von Genossen haben bereits vor einigen Jahren ihre Anteile gekündigt. Die Geno eG hatte daraufhin, wenn auch mit einiger Verzögerung, das Auseinandersetzungsguthaben ermittelt. Statt den ehemaligen Genossen jedoch das Guthaben auszubezahlen, hat die Geno eG mitgeteilt, dass sie lediglich 50 % des Guthabens und das auch nur ratenweise ausbezahlen würde. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die Satzung, die 2015 entsprechend geändert wurde. Interessant daran, dass die Änderung nach einer Kündigungswelle beschlossen wurde, und damit über die Köpfe der Kündigenden hinweg. Ehemalige Mitglieder, die bislang immer noch auf die Rückzahlung warten, müssen diesen Betrag nunmehr als Forderung zur Insolvenztabelle anmelden. 

Diejenigen, die noch Mitglieder der Genossenschaft sind und noch kein „Eigentum“ erworben haben, müssen die bislang geleisteten Zahlungen zur Tabelle anmelden. Sollten Sie noch nicht den gesamten Genossenschaftsanteil eingezahlt haben, besteht die Gefahr, dass der Insolvenzverwalter die Bezahlung der noch ausstehenden Summen einfordert. Die ist umso ärgerlicher, als feststeht, dass die Geno eG ihr Versprechen auf Erwerb von Eigentum nicht einhalten wird. 

Besonders schwierig wird es für die Genossen, die bereits Wohnungen der Geno eG bezogen haben. Was passiert mit den bisher geleisteten Zahlungen, den zukünftigen Zahlungen und vor allem der bewohnten Immobilie. Hier kommt es entscheidend auf die vertraglichen Vereinbarungen an. Genossen, die sich in dieser Lage befinden, sollten unbedingt rechtlichen Beistand bereits bei der Anmeldung der Forderung in Anspruch nehmen. Hier geht es um sehr viel Geld und den Verlust von Wohneigentum.

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Wie geht es für die Genossen der Geno eG weiter?

Für den 15.10.2018 ist in Ludwigsburg ein Berichtstermin angesetzt. Der Insolvenzverwalter wird über die wirtschaftliche Lage berichten und mit welchen finanziellen Folgen die Genossen rechnen müssen. Weiterhin sollten alle Genossen, auch die ehemaligen, die ihre Forderungen noch nicht angemeldet haben, dies schnellstmöglich tun. Hier raten wir insbesondere denjenigen zur Vorsicht, die bereits Wohnungen „mieten“. Diese sollten sich unbedingt beraten lassen. 

Mit Sicherheit müssen die Beteiligten der Geno eG mit Verlusten rechnen. Es ist nicht davon auszugehen, dass sämtliche Forderungen befriedigt werden. Hier ist zu überlegen, ob nicht Ansprüche gegenüber dem Vermittler der Geno eG wegen Falschberatung bestehen (mehr dazu hier). Ein Vermittler ist verpflichtet, sich über die wirtschaftliche Tragfähigkeit der von ihm empfohlenen Anlage zu informieren. Spätestens seit dem Artikel 2006 in der Zeitschrift Finanztest durften jedoch berechtigte Zweifel an der Wirtschaftlichkeit bestanden haben. 

Wir von CDR-Legal Rechtsanwalts GmbH unterstützen Sie bei der Geltendmachung Ihrer Rechte gegenüber der Geno eG. Für ein erstes unverbindliches Gespräche stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung. 

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