Corinna Ruppel Rechtsanwältin
4,9 (201) C. Ruppel auf anwalt.de

P&R Erben haften auch für Nachlassverbindlichkeiten

Entgegen der weitverbreiteten Meinung müssen Erben auch für Verbindlichkeiten haften, die aus dem Nachlass resultieren.

Die meisten Menschen sehen in Verbindung mit einem Erbe lediglich die Vermögenswerte und Guthaben, die auf den Erben übergehen. Tatsächlich wird in dem Zusammenhang häufig vernachlässigt, dass Erben auf Grundlage des Paragraphen 1967 Abs. 1 BGB auch für bestehende Nachlassverbindlichkeiten in Haftung genommen werden können. Dies gilt unter anderem auch für Forderungen, die Insolvenzverwalter an den Anleger und anschließend damit an die Erben richten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Auf der Grundlage des Paragraphen 1967 Abs. 1 BGB haften Erben für Nachlassverbindlichkeiten
  • Im Hinblick auf die Haftung ist mitunter zu unterscheiden, ob sich diese auf den Zeitraum vor oder nach der Nachlassteilung bezieht
  • Nach Insolvenzen, wie der P&R Gruppe, passiert es immer wieder, dass sich der Insolvenzverwalter mit seinen Forderungen an die Erben eines verstorbenen Anlegers richtet

Haften Erben für Verbindlichkeiten des Erblassers?

Wer ein Erbe annimmt, der erhält nicht nur die ihm zugedachten Vermögenswerte und Guthaben, sondern muss ebenfalls für eventuell existierende Verbindlichkeiten haften. Im Wesentlichen sind es zwei Positionen, die zu den Nachlassverbindlichkeiten zählen, nämlich:

  • Erblasserschulden
  • Nachlassschulden

Bei den Erblasserschulden handelt es sich um Verbindlichkeiten bzw. Schulden, die vom Erblasser (Verstorbenen) herrühren. Mit den Nachlassschulden sind Verbindlichkeiten gemeint, die aus dem Erbfall selbst resultieren.

Wichtig zu wissen ist, dass Alleinerben für die aus dem Nachlass resultierenden Verbindlichkeiten nicht nur persönlich, sondern auch unbeschränkt haften. Wird allerdings festgestellt, dass der Nachlass überschuldet ist, hat der Erbe die Möglichkeit, die Haftung auf den Nachlass zu begrenzen.

Die Haftung vor der Teilung des Nachlasses

Im Hinblick auf die Haftung der Erben kann es einen Unterschied machen, ob sich diese auf den Zeitraum vor oder nach der Nachlassteilung bezieht. Existiert eine noch ungeteilte Erbengemeinschaft, hat der entsprechende Gläubiger die Möglichkeit, auf Grundlage des Paragraphen 2059 Abs. 2 BGB eine sogenannte Gesamthandsklage gegen sämtliche Miterben zu erheben.

Alternativ besteht auf Basis des Paragraphen 2058 ebenso die Möglichkeit, dass der Gläubiger eine Gesamtschuldklage gegen jeden einzelnen Miterben richtet. Diese Tatsache kann auch im Fall P&R Container für Erben von Bedeutung sein, sollte noch keine Nachlassteilung erfolgt sein.

In diesem Fall hat der Insolvenzverwalter nämlich bereits in mehreren Fällen die Erben in vollem Umfang in Anspruch genommen bzw. Mahnbescheide zustellen lassen, falls der Anleger und somit Schuldner bereits verstorben war. Wichtig zu wissen ist, dass natürlich nicht von jedem Erben der volle Schuldbetrag eingefordert werden kann. Insgesamt ist die Forderung selbstverständlich nur einmal zu bezahlen.

Die Haftung nach der Nachlassteilung

Mitunter etwas anders stellt sich die Situation im Hinblick auf die Haftung der Erben dar, falls bereits eine Nachlassteilung erfolgt ist. Zunächst einmal ist es allerdings auch nach der Teilung des Nachlasses so, dass die Miterben weiterhin gesamtschuldnerisch haften.

Als Hauptfazit zur Haftung von Erben ist festzuhalten, dass Erben innerhalb einer Erbengemeinschaft meistens für die volle Summe haften, die der Erblasser an Verbindlichkeiten hat. Das bedeutet zum Beispiel im Rahmen der Rückforderungen durch den Insolvenzverwalter bei P&R, dass eventuell auch Erben diese Forderungen erfüllen müssen.

Wie hilfreich fanden Sie den Artikel?

Klicken Sie auf die Sterne, um den Artikel zu bewerten

Durchschnittliche Bewertung: 4.7 / 5. Anzahl der Bewertungen: 23

Bisher gibt es keine Bewertungen des Artikel

We are sorry that this post was not useful for you!

Let us improve this post!

Tell us how we can improve this post?

RA Corinna D. Ruppel (LL.M.) – Ihre Anwältin

Anwältin Corinna Ruppel Portrait

Ihr kostenloses Erstgespräch:
08031 7968029

Melden Sie sich gerne zum monatlichen Rundmail mit über 2.000 Abonnenten an und erhalten Sie alle wichtigen Neuigkeiten zu der Entwicklung des Sachverhalts.

Die Autorin

Corinna Ruppel – Rechtsanwältin für Bankrecht und Kapitalmarktrecht in Rosenheim (Oberbayern)

Corinna Ruppel nutzt ihre Fachexpertise aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Kreditspezialistin und Syndikusanwältin, um Privatpersonen und Unternehmen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht, Insolvenzrecht sowie Erbrecht zu beraten und zu vertreten. Dabei legt sie besonderen Wert auf Transparenz und eine vertrauensvolle Basis dem Mandanten gegenüber.

Die Kanzlei

Persönliche Betreuung
Über 20 Jahre Erfahrung
Ex-Bankmitarbeiterin
Deutschlandweite Vertretung
Kostenloses Erstgespräch

Bekannt aus

Bekannt aus Die ZeitBekannt aus Kommentar der Frankfurter AllgemeinenBekannt aus Kommentar Süddeutschen