P&R Container Fonds: Erstes Urteil wegen Falschberatung

P&R Container Fonds: Erstes Urteil wegen Falschberatung  

Die erste Gläubigerversammlung der Münchner P&R Gruppe hatte bisher keine großen Hoffnungen geweckt. Ein Urteil des Landgerichts Erfurt bietet nun jedoch einen Lichtblick für die Anleger. Mit Urteil vom 22.02.2019, 9 O 736/18, verurteilte das Gericht den Anlagevermittler zur Zahlung von Schadensersatz wegen Falschberatung. Dieser hatte seinen Kunden nicht ausreichend über die Risiken der Kapitalanlage informiert und somit seine Aufklärungspflichten verletzt.

Aufklärungspflichten des Anlagevermittlers – Falschberatung bei P&R Investition

Ein Anlagevermittler kann auf zwei Wegen gegen seine Aufklärungspflichten in einem Beratungsgespräch verstoßen.

Zum einen unterliegt er der Pflicht der anlegergerechten Beratung. So verstößt er im Falle der P&R Gruppe dann gegen diese Pflicht, wenn er zum Beispiel die Investition als sichere Altersvorsorge verkauft. Container sind jedoch ein Wirtschaftsgut. Entsprechend ist der Preis von der Weltwirtschaft abhängig und schwankt. Es handelt sich daher nicht um eine für das Alter sichere, breit gestreute Rentenanlage.

Zum anderen hat der Anlagevermittler der objektgerechten Beratung zu folgen. Gegen diese Aufklärungspflicht kann er im Falle der P&R Gruppe in vielerlei Hinsicht verstoßen. Beispielsweise dann, wenn er die Mietzahlungen oder die Rückkaufverpflichtung als garantiert und sicher darstellt und dabei  die Abhängigkeit von den anderen beteiligten Gesellschaften verschweigt. Eine Pflichtverletzung liegt auch vor, wenn der Anlagevermittler nicht darüber informiert hat, dass die versprochenen Rückkaufswerte deutlich über dem Marktpreis lagen. Diese Differenzen mündeten in deutliche Verluste des Unternehmens. Eine Insolvenz der P&R Gruppe war also abzusehen, sofern sie nicht durch Gewinne wieder ausgeglichen werden könnten. Die ersten Anzeichen eines Schneeballsystems waren zudem durch verschiedene Querfinanzierungen schon zu erkennen. Auch dies hätte der Anlagevermittler nennen müssen. Weitere Aspekte, die der Vermögensberater unter anderem hätte mit einbeziehen müssen, sind das Währungsrisiko, die schlechte Entwicklung des Containermarktes und die zwiespältige Berichterstattung über das Geschäftsmodell der P&R Gruppe.

Zusammengefasst hat der Anlagevermittler insbesondere dadurch seine Aufklärungspflichten verletzt, wenn er das Risiko des Totalverlustes sowie das Nachschussrisiko verschweigt.

Bedeutung des Urteils für Sie

Das Landgericht Erfurt beschloss, dass jeder Vermögensberater im Zusammenhang mit den P&R Containern die Anleger auf das Totalverlustrisiko hätte hinweisen müssen. Auch die vertraglichen Mietzahlungen hätte er nicht als garantiert darstellen dürfen. Der Anlagevermittler hat somit ganz klar gegen seine Aufklärungspflichten verstoßen. Das Urteil des Landgerichts ist richtungsweisend und wird viele Anleger ermutigen, Schadensersatz einzufordern. Sind Sie von der Insolvenz der Münchner P&R Gruppe betroffen und vermuten, dass Sie nicht ausreichend über die Risiken aufgeklärt wurden, suchen Sie sich rechtliche Unterstützung. Es gilt im Einzelfall zu überprüfen, ob Ihr Anlageberater gegen seine Aufklärungspflichten verstoßen hat. In einem ersten Beratungsgespräch überprüfen wir Ihre Unterlagen, bewerten Ihre Chancen und besprechen gemeinsam mit Ihnen das weitere Vorgehen. Wir unterstützen Sie bei der Durchsetzung Ihrer Rechte!

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Corinna Ruppel – Anwältin für Bankrecht und Kapitalmarktrecht in Rosenheim

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