Risiken beim Crowdinvesting

Diese Gefahren sollten Anleger kennen

In der aktuellen Niedrigzinsphase gibt es nicht allzu viele Anlageformen, die für Anleger im Hinblick auf eine gute Rendite interessant sind. In den vergangenen Jahren konnte sich unter anderem das sogenannte Crowdinvesting als Anlageform durchsetzen. Es gibt den Kunden die Möglichkeit, schon mit wenig Geld in interessante Projekte zu investieren.

Häufig lockt eine gute Rendite, sodass Anleger allerdings oftmals leider außer Acht lassen, welche Risiken beim Crowdinvesting bzw. Crowdfunding existieren.

Worum handelt es sich beim Crowdinvesting und wie funktioniert es?

Vereinfacht dargestellt ist mit Crowdinvesting gemeint, dass in der Regel Privatpersonen ihr Kapital über eine Plattform in einzelne Projekte investieren können.

Diese Internetplattformen werden für gewöhnlich als Crowdfunding- oder Crowdinvesting-Plattformen bezeichnet. Auf dieser Plattform können insbesondere Unternehmen ihre Projekte vorstellen und Anleger haben anschließend die Möglichkeit, dort Geld zu investieren. Zu den häufigsten auf Plattformen vorgestellt Projektarten zählen insbesondere:

  • Immobilien
  • Private Equity
  • StartUps
  • Mittelständische Unternehmen
  • Erneuerbare Energien

Sie können also beispielsweise mittels Crowdinvesting in Immobilienprojekte investieren. Ein Beispiel dafür ist der Bau eines Einkaufszentrums. Ebenfalls beliebt ist die Anlage in erneuerbare Energien, wie zum Beispiel in einen zu errichtenden Windpark.

Das Crowdinvesting ist vor allem deshalb so beliebt, weil in die einzelnen Projekte schon ab – je nach Plattform – 100 oder 250 Euro investiert werden kann. Zudem winken häufig sehr gute Renditen, die meistens zwischen fünf und zehn Prozent liegen. Da die einzelnen Projekte allerdings nicht an einem regulierten Markt stattfinden, gehen Anleger ein erhebliches Risiko mit dem Investment ein.

Welche Risiken und Gefahren lauern beim Crowdinvesting auf Anleger?

Eines der größten Risiken haben wir bereits kurz angesprochen. Nämlich aufgrund von Renditen werden die existierenden Gefahren unterschätzt oder nicht beachtet. Sie sollten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass Sie grundsätzlich ein Totalverlustrisiko haben, wenn Sie sich für die Anlage in ein einzelnes Projekt entscheiden.

Zwar gibt es auf manchen Crowdinvesting-Plattformen Sicherungsmechanismen in Form eines Sicherungspools. Allerdings ist dadurch meistens nur ein kleiner Teil der Investitionssumme abgedeckt. Auch das Kapital- und Ertragsrisiko ist somit ebenfalls hoch.

Veränderungen der Rahmenbedingungen beim Investment

Bei den meisten Crowdinvesting-Projekten handelt es sich für den Anleger um langfristige Anlagen, die nicht selten über einen Zeitraum zwischen 8 bis 20 Jahren reichen. Innerhalb dieses Zeitraums besteht ein Risiko darin, dass sich die ursprünglichen Rahmenbedingungen verändern.

So können beispielsweise fest einkalkulierte Fördermittel ausfallen oder es ändern sich gesetzliche Vorgaben. Im schlimmsten Fall könnte dadurch das gesamte Projekt zum Scheitern verurteilt sein. Somit würden Sie Ihre Einlage verlieren. Aber auch die Änderung „weicher“ Faktoren kann zumindest dazu führen, dass Renditen geringer als kalkuliert ausfallen.

Nicht transparente oder fehlerhafte Projektbeschreibung

Ein weiteres Risiko besteht beim Crowdinvesting für Sie als Anleger darin, dass das entsprechende Projekt fehlerhaft beschrieben wird. Möglicherweise mangelt es auch an Transparenz. Diese Gefahr resultiert daraus, das Crowdinvesting nicht an regulierten Märkten stattfindet. Somit gibt es keine Richtlinien für den „Emittenten“, wie es zum Beispiel bei der Anlage in Aktien der Fall wäre.

Zwar existiert bei größeren Projekten in der Regel ein sogenanntes Vermögensanlageinformationsblatt. Allerdings haben mehrere Untersuchungen in der Vergangenheit gezeigt, dass öfter keine realistische Bewertung der Risiken vorgenommen wurde, die Anleger mit dem Investment eingehen. Diese Untersuchungen wurden insbesondere von Verbraucherschützern oder Finanztests durchgeführt.

Betrug bei Projekten als Risiko

Nicht bei allen auf Crowdinvesting-Plattformen veröffentlichten Projekten kann zwingend davon ausgegangen werden, dass es sich um seriöse Angebote handelt. Daher besteht grundsätzlich das Risiko, dass Sie als Anleger auf einen Betrug hereinfallen. Folglich wird das Kapital eingesammelt und anschliessend gänzlich anders verwendet, als es das Projekt vorgibt.

Aus dem Grund ist es wichtig, dass Sie sich kritisch mit dem entsprechenden Projekt beschäftigen. Auch sollten Sie unbedingt sämtliche Kosten und Risiken in Erfahrung bringen. Zudem ist es hilfreich, in regelmäßigen Abständen die sogenannte Warnliste der BaFin zu betrachten. Dort werden zum Beispiel zweifelhafte Anbieter genannt, auch wenn die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.

Crowdfunding Projekte fast immer mit erhöhtem Risiko

Dass das Risiko beim Investment mittels Crowdfunding und Crowdinvesting fast immer erhöht ist, können Sie als Anleger sich im Prinzip selbst erklären. Fragen Sie sich einfach, warum der Kapitalsuchende, dessen Projekt er über die Plattform vorgestellt, sich überhaupt an Sie als Privatanleger wendet.

Meistens besteht der Grund darin, dass die Investition für Banken zu risikoreich ist. Daher wird kein Bankdarlehen vergeben. Mitunter wäre der Bankkredit für den Projektinitiator auch zu „teuer“. Ferner hat der „Emittent“ in aller Regel nicht genügend Kapital, um zum Beispiel einen Börsengang oder die Ausgabe von Anleihen zu finanzieren.

All diese Punkte deuten darauf hin, dass für die entsprechenden Anbieter das Crowdinvesting letztendlich die einzige Möglichkeit ist, um überhaupt an Kapital zu gelangen. Spätestens deshalb sollten Sie als Anleger die Projekte möglichst genau durchleuchten.

Wie kann ich das Risiko beim Crowdinvesting verringern?

Ein wichtiger Schritt ist es, dass Sie sich die zuvor genannten Risiken bewusst machen, die in Verbindung mit dem Investment auf Crowdfunding- oder Crowdinvesting-Plattformen existieren. Darüber hinaus gibt es einige Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um das Risiko zu reduzieren:

  • Kapital aufteilen (Diversifikation)
  • Crowdinvesting-Plattform wählen, bei denen Anbieter / Projekte überprüft werden
  • Besonders kritisch bei höheren Renditeversprechungen sein
  • Sehr detailliert mit dem Projekt und dem Anbieter auseinandersetzen und zum Beispiel extern recherchieren
  • Bevorzugt Projekte wählen, die vom gleichen Anbieter in der Vergangenheit erfolgreich beendet wurden

Zusammengefasst können Sie also möglichst viele Informationen, zum entsprechenden Investitionsprojekt einholen. Folglich senken sie das Risiko, insofern Sie schlichtweg Abstand von nicht ausreichend transparenten Angeboten nehmen.

Zudem ist es äußerst hilfreich, dass Sie Ihr Kapital keinesfalls nur in ein Projekt investieren. Sie können einen Investitionsbetrag von beispielsweise 20.000 Euro einfach auf zehn oder mehr unterschiedliche Crowdinvesting-Projekte aufteilen. Diese sogenannte Diversifikation sorgt für eine Risikoreduzierung und wird von Experten im Anlagebereich prinzipiell empfohlen.

Kapitalverlust droht: Was kann ich als Anleger tun?

Selbst bei einer noch so gewissenhaften Prüfung des Projektes kann es passieren, dass zugesicherte Erträge nicht fließen oder sogar die Rückzahlung Ihres Kapitals in Gefahr ist. In diesem Fall gilt es, zunächst einmal Ruhe zu bewahren. Im zweiten Schritt ist es sinnvoll, prüfen zu lassen, ob Ansprüche auf Schadenersatz bestehen.

Solche Ansprüche können zum Beispiel öfter aufgrund der Prospekthaftung oder einer Falschberatung geltend gemacht werden. Da Sie das Vorliegen entsprechender Indizien in der Regel nicht selbst beurteilen können, ist es empfehlenswert, sich an einen Anwalt zu wenden.

Besonders vorteilhaft ist in dem Zusammenhang eine Anwaltskanzlei wie CDR-Legal, die sich auf Bank-und Kapitalmarktrecht spezialisiert hat. Die Kanzlei prüft unter anderem, ob aufgrund der vergangenen Vorgänge und der Situation Schadensersatzansprüche bestehen und welche weiteren Maßnahmen sinnvoll sind.

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Die Autorin

Corinna Ruppel – Rechtsanwältin für Bankrecht und Kapitalmarktrecht in Rosenheim (Oberbayern)

Corinna Ruppel nutzt ihre Fachexpertise aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Kreditspezialistin und Syndikusanwältin, um Privatpersonen und Unternehmen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht sowie Insolvenzrecht zu beraten und zu vertreten. Dabei legt sie besonderen Wert auf Transparenz und eine vertrauensvolle Basis dem Mandanten gegenüber.

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