Wirecard AG – AktionĂ€re klagen auf Schadenersatz

Welche Chancen habe ich als AktionÀr?

AktionĂ€re wissen es. Vor gut einer Woche hat die Wirecard AG ihre Insolvenz angemeldet, weil ein Betrag von fast zwei Milliarden Euro anscheinend in der Kasse fehlt. Seitdem ist der Kurs der Aktie des Noch-DAX-Unternehmens massiv gefallen, sodass die weitaus meisten AktionĂ€re große Verluste erleiden. Daher stellt sich die Frage, wie sich betroffene Investoren auf Basis der aktuellen Erkenntnisse verhalten sollten.

Über 90 Prozent Verlust in drei Wochen

Seit dem 17. Juni ist die Aktie der Wirecard AG massiv gefallen. Mitte des vergangenen Monats lagen die Kurse noch bei ĂŒber 100 Euro. Der aktuelle Kurs der Aktie (8. Juli 2020) notiert nur noch bei rund 2,90 Euro.

Somit haben zahlreiche AktionĂ€re Stand jetzt einen Verlust von zum Teil ĂŒber 90 oder sogar knapp 98 Prozent erlitten. Sollte auch das Europa- und Amerika-GeschĂ€ft defizitĂ€r sein, halte es manche Experten sogar fĂŒr möglich, dass die Aktien wertlos sein werden: Kurs 0,00 Euro! Das wĂŒrde fĂŒr die AktionĂ€re dann einen Totalverlust bedeuten.

++ Update 23. Juli 2020: Staatsanwaltschaft geht von krimineller Bande aus ++

Die Ereignisse rund um das insolvente DAX-Unternehmen Wirecard scheinen sich aktuell zu ĂŒberschlagen. Lag der Fokus – auch seitens der Staatsanwaltschaft – bisher auf dem sich auf der Flucht befindlichen Ex-Vorstand Jan Marsalek, rĂŒckt jetzt der ehemalige Vorstandschef Markus Braun in den Fokus.

Mittlerweile geht die Staatsanwaltschaft augenscheinlich davon aus, dass das Unternehmen von einer Art krimineller Bande geleitet wurde. Maßgeblichen Anteil daran soll anscheinend auch der ehemalige Vorstandschef Braun gehabt haben. Aus diesem Grund wurde er – mittlerweile zum zweiten Mal in lediglich vier Wochen – erneut der Untersuchungshaft zugefĂŒhrt. Im Gegensatz zum ersten Mal gibt es aktuell jedoch keine Freilassung auf Kaution.

DarĂŒber hinaus wurde seitens des zustĂ€ndigen Richters bereits ein Haftbefehl gegen den ehemaligen Finanzvorstand sowie den ehemaligen Chef der Buchhaltung erlassen. Der Hauptvorwurf der Ermittler ist der „GewerbsmĂ€ĂŸige Bandenbetrug“. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass schon vor fĂŒnf Jahren, also 2015, erstmals sowohl die Bilanz als auch der Umsatz kĂŒnstlich aufgeblĂ€ht wurden.

Es bleibt daher spannend, welche Entwicklungen es rund um Wirecard in den nĂ€chsten Tagen und Wochen geben wird, die vielleicht auch fĂŒr Sie als Anleger von grĂ¶ĂŸerer Bedeutung sein könnten. Die Kanzlei CDR-Legal sieht aufgrund der aktuellen Entwicklung keinen grundsĂ€tzlich neuen Handlungsbedarf fĂŒr Anleger. Es ist nach wie vor davon auszugehen, dass die ehemaligen VorstĂ€nde nicht ansatzweise ausreichend Kapital haben, um die AnsprĂŒche der geschĂ€digten Anleger abzugelten.

Wie stellt sich die Lage aktuell dar?

Hören Sie die Podcast Folge „#020 Wenn Börsen-Stars pleitegehen: Was AnwĂ€ltin Corinna Ruppel im Fall „Wirecard“ rĂ€t“ vom 15. Juli zum Thema Wirecard in Kooperation mit hermoney.de:

Nach einer Erhebung der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger dĂŒrften etwa 250.000 AktionĂ€re von den derzeitigen Wertverlusten betroffen sein. Ein Großteil der Anleger ist relativ jung und hat oft sogar selbst die von Wirecard angebotenen Produkte in Anspruch genommen.

Leider ist Stand 08. Juli 2020 davon auszugehen, dass AktionĂ€re innerhalb des möglichen Insolvenzverfahrens keine großen Erwartungen haben sollten. Dies liegt vor allem daran, dass AktionĂ€re als Teilinhaber der Gesellschaft das unternehmerische Risiko tragen und ihre Investitionen Eigenkapital des Unternehmens darstellen.

In der Folge fĂŒhrt dies dazu, dass – sollte das Insolvenzverfahren eröffnet werden – Forderungen der AktionĂ€re an letzter Stelle erfĂŒllt wĂŒrden. Die wesentliche Aufgabe des Insolvenzverwalters besteht darin, in erster Linie die GlĂ€ubiger zu bedienen, zu denen insbesondere das Finanzamt, Banken und Lieferanten zĂ€hlen. Selbst Anleiheinhaber haben vorrangige Forderungen gegenĂŒber AktionĂ€ren.

Gegen wen könnten AktionĂ€re ĂŒberhaupt klagen?

Aktuell steht naturgemĂ€ĂŸ die Frage im Raum, gegen wen betroffene AktionĂ€re ihre Schadensersatzforderungen richten könnten. GrundsĂ€tzlich kommen insbesondere die folgenden Adressaten infrage:

UnabhÀngig davon, wen man in Anspruch nehmen will, es wird schwer werden Schadenersatzforderungen durchzusetzen.

Unter der Voraussetzung, dass die Forderungen gegenĂŒber der Wirecard AG belegbar sind und anerkannt werden, wird es fĂŒr den betroffenen AktionĂ€r auf eine (geringe) Beteiligung an der Insolvenzmasse im Zuge der festgestellten Quote fĂŒr das Insolvenzverfahren hinauslaufen.

Die Schadensersatzklage gegen Manager ist ebenfalls nicht mit besonders guten Erfolgsaussichten ausgestattet. In der Regel wird die Haftpflichtversicherung von Managern (D&O) nicht zahlen, falls vorsĂ€tzliche Manipulationen festgestellt werden sollten. Aus seinem Privatvermögen dĂŒrfte kein Manager dazu in der Lage sein, den hohen SchadensersatzansprĂŒchen auch nur ansatzweise nachzukommen.

Bleibt im Grunde fast nur noch eine Schadensersatzklage gegenĂŒber der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. SelbstverstĂ€ndlich ist davon auszugehen, dass EY sich gegen die gegen das Unternehmen erhobene Forderungen wehren wird. Es ist an den AktionĂ€ren, der Beratungsgesellschaft Vorsatz oder zumindest grobe FahrlĂ€ssigkeit nachzuweisen. Bislang ist die Rechtsprechung auch sehr zurĂŒckhaltend was das Thema Schadenersatz und WirtschaftsprĂŒfer betrifft.

Im Zuge der Beraterhaftung ist es theoretisch zwar möglich, gegen Banken oder Fondsgesellschaften eine Klage zu erheben, die in der Vergangenheit zum Kauf der Wirecard Aktie geraten hatten. Die Erfolgsaussichten dĂŒrften allerdings sehr gering sein, da es sich bei Wirecard um einen etablierten DAX-Wert und nicht um ein besonders erklĂ€rungsbedĂŒrftiges Finanzprodukt handelt.

AktionÀre brauchen vermutlich viel Geduld

Sollten Sie sich dafĂŒr entscheiden, eine Schadensersatzklage anzustreben oder Ihre AnsprĂŒche im Zuge des gewöhnlichen Insolvenzverfahrens geltend zu machen, mĂŒssen Sie voraussichtlich einen langen Atem haben. Die Erfahrungen mit Ă€hnlichen Verfahren aus der Vergangenheit zeigen, dass sich solche Klagen der Anleger nicht selten ĂŒber mehrere Jahre erstrecken können.

Was sollten betroffene Anleger jetzt tun?

Die Situation fĂŒr AktionĂ€re, die entweder noch Wirecard Aktien im Depot oder diese in den letzten Tagen mit hohen Verlusten verkauft haben, ist alles andere als einfach. Mögliche Klagen sind mit Risiken verbunden. Es mangelt derzeit einfach an zuverlĂ€ssigen Informationen und Einblick in das Unternehmen. Trotzdem besteht die Möglichkeit und haben Sie das Recht, AnsprĂŒche geltend zu machen und zumindest spĂ€ter einen Teil der Verluste ausgleichen zu können.

Die Kanzlei CDR-Legal rĂ€t daher, zunĂ€chst nichts zu ĂŒbereilen. Wenig sinnvoll ist es vermutlich, wenn Sie als betroffener AktionĂ€r etwas fĂŒr die Aufnahme in irgendwelche Anleger-Listen zahlen oder ĂŒberstĂŒrzt Klagen.

Stattdessen sollten Sie lieber noch wenige Monate warten. Dann dĂŒrften deutlich mehr Informationen ĂŒber die VorgĂ€nge in dem Unternehmen, bei EY und der Bafin verfĂŒgbar sein. Zu diesem Zeitpunkt können Sie immer noch entscheiden, ob Sie sich einer Sammelklage anschließen oder Ihren Anspruch individuell geltend machen. Zudem sollten Sie unbedingt abklĂ€ren, ob Ihre Rechtsschutzversicherung die Kosten fĂŒr so einen Fall ĂŒberhaupt tragen wĂŒrde.

Handlungsempfehlung fĂŒr AktionĂ€re: Anwaltlich beraten lassen und Ruhe bewahren

Sollte es zum Beispiel Schadensersatzklagen gegenĂŒber der Beratungsgesellschaft Ernst & Young geben, können Sie davon ausgehen, dass ohnehin deren Haftpflichtversicherung zustĂ€ndig ist. Diese wird vermutlich auch in einigen Monaten noch genĂŒgend Geld haben, um etwaigen AnsprĂŒchen nachzukommen. Daher besteht in der derzeitigen Situation kein Grund zur Eile. Gleiches gilt fĂŒr die Bafin. Und bei Wirecard selbst, hier wird die Insolvenzordnung das Verfahren vorgeben.

Dennoch ist es sinnvoll, sich anwaltlich beraten zu lassen und alles fĂŒr ein mögliches Verfahren vorzubereiten.  Sie sollten sich dabei ĂŒberlegen, ob Sie als betroffener AktionĂ€r zu einer großen Masse von Mandanten gehören möchten.

Oder ist es nicht vielleicht besser, wenn Sie sich – gerade wegen der KomplexitĂ€t der möglichen SchadensersatzansprĂŒche – individuell betreuen lassen, wie es bei der Kanzlei CDR-Legal grundsĂ€tzlich der Fall ist.

Nutzen Sie gerne die Möglichkeit, sich innerhalb eines ersten TelefongesprÀchs unverbindlich zu informieren. Zusammen besprechen wir Ihre Möglichkeiten und geben Ihnen eine realistische EinschÀtzung Ihrer Chancen. Dazu gehört auch eine kostenlose Anfrage bei der Rechtsschutzversicherung.

Bei der Anwaltskanzlei CDR-Legal können Sie sicher sein, dass Sie individuelle beraten werden und ihre Fall nicht einer von vielen ist.

Melden Sie sich jetzt zum monatlichen Newsletter an und erhalten Sie alle wichtigen Neuigkeiten zu dem Sachverhalt.

Wie hilfreich fanden Sie den Artikel?

Klicken Sie auf die Sterne, um den Artikel zu bewerten

Durchschnittliche Bewertung: 4.7 / 5. Anzahl der Bewertungen: 253

Bisher gibt es keine Bewertungen des Artikel

We are sorry that this post was not useful for you!

Let us improve this post!

Tell us how we can improve this post?


Die Autorin

Corinna Ruppel – RechtsanwĂ€ltin fĂŒr Bankrecht und Kapitalmarktrecht in Rosenheim (Oberbayern)

Corinna Ruppel
RechtsanwÀltin

auf anwalt.de

Corinna Ruppel nutzt ihre Fachexpertise aus ihrer langjĂ€hrigen TĂ€tigkeit als Kreditspezialistin und SyndikusanwĂ€ltin, um Privatpersonen und Unternehmen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht sowie Insolvenzrecht zu beraten und zu vertreten. Dabei legt sie besonderen Wert auf Transparenz und eine vertrauensvolle Basis dem Mandanten gegenĂŒber.

Ihr kostenloses ErstgesprÀch:
08031 / 7968029

Die Kanzlei

Persönliche Betreuung
Über 20 Jahre Erfahrung
Ex-Bankmitarbeiterin
Deutschlandweite Vertretung
Kostenloses ErstgesprÀch

Bekannt aus

Bekannt aus Kommentar der Frankfurter AllgemeinenBekannt aus Kommentar SĂŒddeutschen