Wirecard AG – Schadenersatz geltend machen?

Wirecard AG stellt Insolvenzantrag - was können Aktionäre jetzt tun?

Wirecard AG – vermutlich haben Sie in den Medien bereits mitbekommen, dass das Unternehmen am 25.06.2020 beim Amtsgericht München einen Insolvenzantrag gestellt hat. Der bundesweit bekannte Zahlungsdienstleister ist bereits seit 2019 aufgrund eines Finanzskandals in der Kritik. Nun musste sich der Vorstand des DAX-Unternehmens dazu entschließen, aufgrund einer drohenden Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Insolvenz zu stellen.

Was ist der Hintergrund der drohenden Zahlungsunfähigkeit?

Der Hintergrund des Insolvenzantrages geht bereits auf Anfang 2019 zurück. Zur damaligen Zeit hatte unter anderem die aus Großbritannien stammende Tageszeitung Financial Times erhebliche Vorwürfe gegenüber Wirecard verlauten lassen. Insbesondere im Hinblick auf angeblich falsch ausgewiesene Kredite und weitere Unregelmäßigkeiten. Bereits zur damaligen Zeit begann auch der erhebliche Kursverfall der Wirecard-Aktie.

Da Kritik und Vorwürfe seit 2019 nicht abreißen, wurde seitens Wirecard zwischenzeitlich ein Sondergutachten in Auftrag gegeben. Nach mehrfacher Verschiebung des Veröffentlichungstermins wurde das außerplanmäßige Gutachten letztendlich erst im April dieses Jahres der Öffentlichkeit präsentiert.

Kurz darauf gab es bei der Wirecard-Aktie einen erneuten Kurseinbruch von fast 40 Prozent. Grund war, dass das Sondergutachten die Vorwürfe nicht wie eigentlich geplant vollends ausräumen konnte. Stattdessen ergab das Gutachten, dass die zuständigen Prüfer nicht Einsicht in alle benötigten Unterlagen nehmen konnten.

Schließlich wurde am 18. Juni der Termin der Veröffentlichung des Jahres- und Konzernabschlusses für das vergangene Jahr erneut verschoben. In dem Zusammenhang informierten die Abschlussprüfer die Öffentlichkeit darüber, dass unter anderem für einen Betrag von 1,9 Milliarden Euro die Nachweise fehlten. Diese hätten eine ausreichende Prüfung zugelassen.

Darüber hinaus gäbe es einige Hinweise, dass unrichtige Saldenbestätigungen existierten. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass tatsächlich rund 1,9 Milliarden Euro fehlen, die ausgewiesen wurden, aber vermutlich nicht existieren.

Massive Verluste bei Aktionären der Wirecard AG

Der Kursverfall der Wirecard Aktie hatte bereits 2019 nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe begonnen. Ende 2018 lag der Aktienkurs noch bei rund 140 Euro und nahm anschließend mit den entsprechenden Eckdaten die folgende Entwicklung:

  • September 2018: ca. 190 Euro
  • April 2019: ca. 110 Euro
  • Dezember 2019: ca. 105 Euro
  • Februar 2020: ca. 140 Euro
  • Mai 2020: ca. 90 Euro

Aktuell (29. Juni 2020) beläuft sich der Kurs der Wirecard-Aktie nur noch bei rund 3,10 Euro. Am Freitag (26. Juni 2020) gab es mit nur noch knapp über 1 Euro einen absoluten historischen Tiefstand. Aktuell gibt es am Markt wilde Spekulationen, was den erheblichen Kursanstieg seit Freitag begründet. Dennoch hat die Wirecard-Aktie alleine in den letzten zwei Wochen über 95 Prozent an Wert verloren. Dies führte selbstverständlich für betroffene Aktionäre zu enormen Verlusten.

Wie ist die aktuelle Situation?

Nach dem Insolvenzantrag hat sich in den letzten Tagen noch Einiges bei Wirecard getan. Im Fokus der Kritik stehen jetzt nicht mehr ausschließlich die Vorstände, insbesondere der sich auf der „Flucht“ befindende Jan Marsalek. Nach aktuellem Stand will sich dieser anscheinend nicht der Justiz stellen, sondern seiner Verantwortung entziehen.

Darüber hinaus offenbart sich ebenfalls scharfe Kritik an der Bundesanstalt für Finanzaufsicht bzw. der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung sowie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY).

Die Vorwürfe bezüglich der BaFin lauten vor allem, dass schon seit geraumer Zeit die Prüfung von Bilanzen in der ersten Stufe nicht mehr von der Behörde selbst vorgenommen wird. Die Institution hatte diese Aufgabe stattdessen an die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung delegiert.

Somit gehen Kritiker davon aus, dass die Prüfung der Wirecard Bilanz extrem lange dauerte und somit die vorgeworfenen Bilanzmanipulationen über einen langen Zeitraum nicht entdeckt wurden.

Was können Sie als Aktionär jetzt tun?

Aktionäre sind aktuell aus absolut verständlichen Gründen geschockt über die Situation. Teilweise ist die Aktie von Wirecard – je nach Kaufdatum – nur noch etwa einen Prozent vom einstigen Kurswert. Daher stehen zahlreiche Anleger vor einem Scherbenhaufen und fragen sich, wie sich derzeit verhalten sollten.

Zunächst einmal ist es wichtig, die eigenen Forderungen im Rahmen des gestellten Insolvenzantrages geltend zu machen. Hier bietet es sich an, einen erfahrenen Rechtsanwalt mit der Vertretung und der Geltendmachung der Insolvenzforderungen zu beauftragen.

CDR-Legal hat sich auf den Bericht Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisiert, sodass Sie im Wirecard-Fall einen optimalen Ansprechpartner haben. Nach Ansicht der Kanzlei nach könnten Schadenersatzklagen gegenüber den folgenden Personen und Institutionen durchaus Aussicht auf Erfolg haben:

  • Vorstände
  • Aufsichtsrat
  • Wirtschaftsprüfer von EY
  • BaFin

Dem vorausgehend stellte bereits am vergangenen Freitag die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger eine Strafanzeige gegen zwei Abschlussprüfer bestellt, die bei Ernst & Young arbeiten bzw. tätig waren.

Infrage kommt insbesondere eine Schadensersatzklage gegen Wirecard aufgrund kapitalmarktrechtlicher Verstöße sowie eine Schadensersatzklage gegen Ernst & Young und die Aufsichtsbehörden. All dies aufgrund erheblicher Pflichtverletzungen.

Selbstverständlich sind ebenfalls Schadenersatzklagen gegen Vorstandsmitglieder möglich. Allerdings ist davon auszugehen, dass diese ohnehin nicht die Mittel haben werden, Ihren Schadenersatzforderungen tatsächlich nachzukommen.

Um Ihre Ansprüche durchzusetzen, sollten Sie jetzt handeln und eine erfahrene Kanzlei im Bereich Bank- und Kapitalmarktrecht mit der Vertretung Ihrer Interessen beauftragen. Gemeinsam stimmen wir die weitere Vorgehensweise ab. Sie werden über relevante Neuigkeiten auf dem Laufenden gehalten und Ihre Ansprüche werden geltend gemacht.

Da aus jetziger Sicht vermutlich – insbesondere gegenüber der BaFin und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young – eine regelrechte Klagewelle rollen wird, sind die Aussichten auf einen Erfolg gegeben.

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Die Autorin

Corinna Ruppel – Rechtsanwältin für Bankrecht und Kapitalmarktrecht in Rosenheim (Oberbayern)

Corinna Ruppel nutzt ihre Fachexpertise aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Kreditspezialistin und Syndikusanwältin, um Privatpersonen und Unternehmen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht sowie Insolvenzrecht zu beraten und zu vertreten. Dabei legt sie besonderen Wert auf Transparenz und eine vertrauensvolle Basis dem Mandanten gegenüber.

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