Corinna Ruppel Rechtsanwältin
4,9 (235) C. Ruppel auf anwalt.de

Online Banking Betrug: Wer haftet bei leergeräumten Konto?

In über 80 Prozent der Fälle haftet die Hausbank oder der Geschädigte

Wer Opfer eines Online-Banking Betrugs geworden ist, der möchte seinen Schaden ersetzt bekommen. Daher ist es wichtig zu klären, wer Schadensersatz leisten, also den entstandenen Schaden regulieren muss. In der Regel übernimmt die Hausbank des Betroffenen die Haftung, jedoch keineswegs immer und automatisch.

CDR Legal prüft Ihren Fall:
Direkt zum kostenlosen Erstgespräch

Wer kommt für die Haftung durch Online Banking Betrug infrage?

Generell gibt es mehrere Parteien, die unter Umständen infrage kommen, die Haftung für durch Online Banking Betrug entstandene Schäden zu übernehmen. In erster Linie handelt es sich dabei um die folgenden Personen bzw. Parteien:

  • Hausbank
  • Empfängerbank
  • Finanzagent
  • Phishing-Opfer

Die Betroffenen wenden sich in diesem Fall nahezu immer an ihre Hausbank, die den entstandenen Schaden ersetzen soll. Somit ist die eigene Bank erste Ansprechpartnerin, wenn es um möglichen Schadenersatz und ebenso um die Haftungsfrage geht.

 
Weiterführende Rechtstipps bei Online Banking Betrug
Der Betrug im Internet nimmt zu. Die Täter agieren im Verborgenen und bleiben anonym. Wie gehen die Betrüger vor? Und wann muss die Bank haften?

Hausbank haftet für nicht autorisierte Zahlungsanweisungen

In der Rechtsprechung gibt es mittlerweile mehrere Urteile, wonach in der Regel die Hausbank für einen Schaden haften muss, falls es sich bei der betrügerischen Buchung um eine nicht autorisierte Zahlungsanweisung gehandelt hat. Grundlegende Voraussetzung für die Haftung der Hausbank ist, dass der betroffene Kunde die entsprechende Überweisung nicht autorisiert hat. Dies stützt sich insbesondere auf den Paragraphen 675u BGB.

Als nicht autorisiert gilt eine Zahlung immer dann, wenn der Kontoinhaber oder ein Verfügungsberechtigter die Überweisung nicht selbst wissentlich und mit Absicht freigegeben haben. Allerdings kommt an der Stelle noch die Frage einer eventuellen Fahrlässigkeit auf. Hat das Online Banking Opfer grob fahrlässig gehandelt? Dann kann es passieren, dass der Betroffene auf dem Schaden sitzen bleibt und die Bank nicht verpflichtet ist, diesen zu regulieren.

In den meisten Fällen ist die Hausbank also in der Haftung und dazu verpflichtet, den entstandenen Schaden umgehend zu regulieren. Das gilt umso mehr unter der Voraussetzung, dass das Kreditinstitut kein ausreichend sicheres System implementiert hatten. Dann wäre selbst bei (grober) Fahrlässigkeit seitens des betroffenen Kunden davon auszugehen, dass die Hausbank in Haftung für die Folgen der Phishing-Attacke genommen werden kann.

CDR Legal prüft Ihren Fall:
Direkt zum kostenlosen Erstgespräch

Was bedeutet grobe Fahrlässigkeit?

Eine entscheidende Frage im Zusammenhang mit der Haftung durch die Hausbank besteht also darin, ob der Betroffene grob fahrlässig gehandelt hat oder nicht. Dazu müssen Sie natürlich wissen, unter welchen Voraussetzungen überhaupt von einer groben Fahrlässigkeit auszugehen ist. Der Begriff der groben Fahrlässigkeit wird in dem Zusammenhang insbesondere im Paragraphen 675v Abs. 2 BGB definiert.

Danach ist unter der Voraussetzung von einer groben Fahrlässigkeit auszugehen, wenn der Betroffene die im Zahlungsverkehr notwendige Sorgfalt in schwerem Maße verletzt hat. Damit wiederum ist vor allem gemeint, dass sehr naheliegende Überlegungen nicht angestellt wurden. Gibt ein Kunde beispielsweise seine PIN an eine unbekannte Person telefonisch weiter, erfüllt dies in den meisten Fällen bereits den Tatbestand der groben Fahrlässigkeit.

 
Aktuell betroffene Banken und Marktplätze (aktualisiert: 03/2023)
Jeden Tag melden Bankkunden unseren Bankrechtsanwälten neue Betrugsfälle. Unsere Mandanten sind besonders häufig Kunden bei:

Sorgfaltspflichten des Kunden sind zu beachten

Neben der groben Fahrlässigkeit kann auch die Verletzung der Sorgfaltspflichten durch den Geschädigten dazu führen, dass die Hausbank nicht haften muss. Dies wird insbesondere auf der Grundlage des Paragraphen 675l BGB geregelt. Der Paragraph besagt, dass Online-Banking User die Verpflichtung haben, sämtliche, zumutbare Vorkehrungen zu treffen, damit die eigenen Sicherheitsdaten gegen einen Zugriff durch Unbefugte geschützt sind.

Eine Verletzung dieser Sorgfaltspflichten wird in erster Linie bei den folgenden Aktionen angenommen:

  • Aufbewahrung der Bankkarte zusammen mit der Geheimzahl in der Geldbörse
  • Herausgabe der PIN bzw. TAN an unbekannte Personen per Mail oder Telefon
  • Online-Transaktionen auf ungesicherten Geräten durchführen
  • Online-Banking auf Endgeräten nutzen, die keinen (ausreichenden) Antiviren-Schutz besitzen

Sollte also keine Fahrlässigkeit vorliegen und der Geschädigte seine Sorgfaltspflichten nicht in den zuvor erwähnten Formen verletzt haben? Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Hausbank den durch den Betrug entstandenen Schaden übernehmen muss.

Wann haftet der Finanzagent im Schadensfall?

Oft wird das Geld des Opfers über das Konto einer anderen Person geleitet, bevor es in das Ausland verschwindet. Diese dritte Person ist meist selbst Opfer eines Betrugs. Man spricht hier von einem Finanzagenten.

Ob ein solcher Finanzagent in Haftung genommen werden kann, hängt wiederum von mehreren Gegebenheiten und meistens vom Einzelfall ab. So kommt unter anderem das Landgericht Köln in einem verhandelten Fall (Aktenzeichen 9 S 195/07) zu der Auffassung, dass der Finanzagent für den entstandenen Schaden in Haftung genommen werden kann.

Allerdings gibt es ebenso einige Urteile, bei denen die Finanzagenten freigesprochen wurden und dementsprechend keine Haftung für den Schaden unterliegen.

CDR Legal prüft Ihren Fall:
Direkt zum kostenlosen Erstgespräch

Haftet eventuell die Empfängerbank?

Neben der Hausbank und einem eventuellen Finanzagenten gibt es von Geschädigten manchmal Überlegungen, ob nicht auch die Empfängerbank für den aus dem Online Banking Betrug resultierenden Schaden haften könnte. Diese rechtliche Frage ist allerdings äußerst komplex.

Zudem kann der Bank des Empfängers in den weitaus meisten Fällen kein schuldhaftes Handeln oder ein Versäumnis nachgewiesen werden.

 
Aktuell betroffene Dienste und Verfahren (aktualisiert: 03/2023)
Die Betrüger missbrauchen verbreitete Zahlungsdienste und Verifizierungsverfahren. Gemäß unserer Mandanten sehr häufig ausgenutzt in diesem Monat werden:

So kann CDR Legal Ihnen helfen

Im Hinblick auf die Haftungsfrage nach einer Phishing-Attacke gibt es in über 80 Prozent aller Fälle nur zwei Optionen. Die erste Möglichkeit besteht darin, dass die Hausbank die Haftung übernimmt, weil es sich um eine vom Kontoinhaber nicht autorisierte Zahlung gehandelt hat. Die Alternative ist, dass Sie als Geschädigter grob fahrlässig gehandelt oder Ihre Sorgfaltspflichten verletzt haben, sodass Sie selbst für den Schaden haften müssen.

Spricht die Sachlage für eine Mitschuld der Bank, erhalten Sie den höchstmöglichen Schadensersatz erfahrungemäß nur unter Hinzuziehung versierter Anwälte. Streitigkeiten mit Banken sind vor allem rechtliche Herausforderungen und verlangen einiges Durchhaltevermögen. Im Spezialgebiet „Online Banking Betrug“ sollte Ihr Anwalt daher ausreichend Kompetenz und Erfahrung vorweisen.

Bei hohen Schadensbeträgen neigt die Bank zu einer starken Gegenwehr. Beim Online Banking Betrug wird die Bank Ihnen eine Verletzung der Sorgfaltspflicht bzw. grobe Fahrlässigkeit vorwerfen. Selbst bei Klageandrohung Ihrerseits zeigt die Bank keine Einsicht. Sie kalkuliert damit, dass Sie doch noch ins Zweifeln geraten und Ihre Ansprüche deutlich senken.

Für die Bank stimmt die Rechnung. Bei Niederlage vor Gericht trägt die Bank zwar über den Schadensersatz hinaus die kompletten Anwalts- und Verfahrenskosten. Durch die starke Gegenwehr lassen sich jedoch immer noch genug Betroffene von Online Banking Betrug zur außergerichtlichen Einigung auf deutlich geringere Teilrückerstattungen drängen.

Wie viel Schadensersatz Sie erhalten, steht und fällt vor allem mit dem Anwalt Ihres Vertrauens. Bei Bankstreitigkeiten zählen neben Kompetenz und Erfahrung eine besondere Einsatzbereitschaft und Hartnäckigkeit. Da Sie Ihren Anwalt frei wählen dürfen, sollten Sie ratsamerweise eine Kanzlei mit Spezialisierung in Online Banking Betrugsfällen einschalten. Vergewissern Sie sich, dass die Kanzlei sowohl Ziel als auch die Fähigkeit besitzt, das Beste Ergebnis für Sie herauszuholen.

Als Kanzlei mit Spezialisierung auf Online Banking Betrugsfälle bietet CDR Legal Ihnen eine kostenfreie Ersteinschätzung an. Im unverbindlichen Gespräch können Sie uns Ihren Schadensfall schildern. Anschließend erhalten Sie von unseren Anwälten Ratschläge zum weiteren Vorgehen. Sollten Sie uns die Klärung Ihres Falls anvertrauen, vertreten wir Ihre Interessen schnell, kompetent und nachdrücklich gegenüber Ihrer Bank.

Wichtige Fragen zum Schadenshergang:

  • Wann haben Sie den Online Banking Betrug bemerkt?
  • Welche Maßnahmen zur Schadensbegrenzung haben Sie ergriffen?
  • Wann haben Sie Ihre Bank informiert?
  • Wie gelangten die Betrüger vermutlich an Ihre Kontodaten?
  • Wie viel Geld haben die Betrüger insgesamt abgebucht?

Weiter zur kostenfreien Ersteinschätzung

Wie hilfreich fanden Sie den Artikel?

Klicken Sie auf die Sterne, um den Artikel zu bewerten

Durchschnittliche Bewertung: 4.7 / 5. Anzahl der Bewertungen: 99

Bisher gibt es keine Bewertungen des Artikel

We are sorry that this post was not useful for you!

Let us improve this post!

Tell us how we can improve this post?

RA Corinna D. Ruppel (LL.M.) – Ihre Anwältin

Anwältin Corinna Ruppel Portrait

Ihr kostenloses Erstgespräch:
08031 7968029

Melden Sie sich gerne zum monatlichen Rundmail mit über 5.000 Abonnenten an und erhalten Sie alle wichtigen Neuigkeiten zu der Entwicklung des Sachverhalts.

Die Autorin

Corinna Ruppel – Rechtsanwältin für Bankrecht und Kapitalmarktrecht in Rosenheim (Oberbayern)

Corinna Ruppel nutzt ihre Fachexpertise aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Kreditspezialistin und Syndikusanwältin, um Privatpersonen und Unternehmen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht, Insolvenzrecht und Erbrecht zu beraten und zu vertreten. Dabei legt sie besonderen Wert auf Transparenz und eine vertrauensvolle Basis dem Mandanten gegenüber.

Ihr kostenloses Erstgespräch:
08031 / 7968029

Die Kanzlei

Persönliche Betreuung
Über 20 Jahre Erfahrung
Ex-Bankmitarbeiterin
Deutschlandweite Vertretung
Kostenloses Erstgespräch

Bekannt aus

Bekannt aus Die ZeitBekannt aus Kommentar der Frankfurter AllgemeinenBekannt aus Kommentar Süddeutschen