Corinna Ruppel Rechtsanwältin
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Pflichtteil bei Kindern

Wie hoch ist der Pflichtteil bei 2 & bei 3 Kindern?

Der Pflichtteil beim Erbe für Kinder gewährleistet, dass diese zumindest einen gesetzlich festgelegten Anteil am Erbe erhalten. Wie hoch der Pflichtteil ist, richtet sich einerseits nach der Pflichtteilsquote und andererseits nach dem Nachlasswert.

Einen Pflichtteilsanspruch haben Kinder auch dann, wenn der verstorbene Elternteil seine Ehefrau oder den Ehemann als Alleinerbin einsetzt. Das Berliner Testament soll dabei in diesem Artikel unbeachtet bleiben.

Der Wert des Pflichtteils richtet sich nach der Anzahl der pflichtteilsberechtigten Kinder, danach ob noch ein Elternteil lebt und nach dem Güterstand der Eltern.

Das Wichtigste im Überblick

  • Kinder haben stets einen Anspruch auf einen Pflichtteil, da sie zur Erben 1. Ordnung zählen
  • Der Pflichtteil für Kinder macht die Hälfte des gesetzlichen Erbteils aus
  • Der Pflichtteilsanspruch kann Kindern nur in Ausnahmen und bei sogenannten schweren Verfehlungen gegenüber dem Erblasser verwehrt werden
  • Werden Kinder im Rahmen eines Testaments enterbt, haben sie dennoch das Recht, ihren Pflichtteil einzufordern

Wer ist grundsätzlich pflichtteilsberechtigt?

Es gibt nur eine Hand voll Personen, die per Gesetz überhaupt einen Anspruch auf den Pflichtteil haben. Neben den direkten Abkömmlingen des Erblassers, also den Kindern, zählen dazu:

  • Ehepartner
  • Eltern (falls weder Kinder noch Enkelkinder existieren)
  • Gleichgeschlechtliche Lebenspartner auf Grundlage des Lebenspartnerschaftsgesetzes

Wie hoch ist der Pflichtteil für Kinder?

Wenn Sie feststellen möchten, wie hoch der Pflichtteil für Kinder ist, benötigen Sie dazu den Wert des gesetzlichen Erbes. Der Pflichtteilsanspruch erstreckt sich dann auf exakt die Hälfte der gesetzlichen Erbquote.

Zur Berechnung des Pflichtteils ist es ferner relevant, wie viele Angehörige noch Pflichtteilsansprüche geltend machen können. Es hängt also im Hinblick auf die Höhe des Pflichtteils für Kinder davon ab, wie viele andere Kinder noch vorhandenen sind und ebenfalls einen Pflichtteilsanspruch haben.

Zu berücksichtigen ist außerdem, ob noch ein Elternteil lebt und in welchem Güterstand die Eltern gelebt haben. Denn auch der Güterstand wirkt auch auf die Höhe des Pflichtteils der Kinder aus.

Halten wir also fest, dass die Pflichtteilsquote von Kindern stets die Hälfte des gesetzlichen Erbteils ist. Dieser ermittelt sich aus der Anzahl der Kinder und dem Güterstand der Eltern.

Wie hoch ist der Pflichtteil bei einem Kind?

Wie gesagt, es ist die Hälfte des Erbteils Bei einem noch lebenden Ehegatten erhält dieser 50 %, der Rest wird unter den Kindern gleichmäßig aufgeteilt.

Vergleichsweise einfach ist die Berechnung des Pflichtteils, wenn nur ein erbberechtigtes Kind existiert. Dementsprechend gibt es keine weiteren Pflichtteilsberechtigten.

Wir gehen für unser folgendes Beispiel davon aus, dass der Erblasser ein Kind nebst Ehefrau hinterlässt und mit der er im gesetzlichen Güterstandes gelebt hat (Zugewinngemeinschaft). Der Erblasser hat zudem seine Ehefrau innerhalb eines Testaments als Alleinerbin eingesetzt.

Auf diesen Grundlagen beträgt die Pflichtteilsquote des Kindes ein Viertel, also die Hälfte des gesetzlichen Erbanfalls. Beträgt das Vermögen beispielsweise 200.000 Euro, hätte das Kind einen Pflichtteilsanspruch von 50.000 Euro. Etwas anders wäre die Höhe des Pflichtteils, wenn es keinen Ehepartner mehr gibt. Dann würde das Kind sogar einen Pflichtteilsanspruch in Höhe von 100.000 Euro haben.

Wie hoch ist der Pflichtteil bei 2 Kindern?

Gibt es zwei erbberechtigte Kinder, stellt sich der jeweilige Pflichtteilsanspruch natürlich etwas anders dar. Im Beispiel gehen wir wiederum davon aus, dass der Erblasser zunächst einen überlebenden Ehepartner und eben zwei erbrechtliche Kinder hat. Diese Kinder hat der Erblasser allerdings innerhalb des Testaments nicht berücksichtigt, sodass er seine Frau als Alleinerbin eingesetzt hat.

Diese Konstellation führt dazu, dass beide Kinder jeweils einen Pflichtteilsanspruch von einem Achtel haben. Das basiert darauf, dass die gesetzliche Erbfolge ein Viertel beträgt. Die andere Hälfte ginge an die Ehefrau.

Bei einem Nachlass in Höhe von beispielsweise 200.000 Euro hat dementsprechend jedes der beiden Kinder einen Pflichtteilsanspruch von 25.000 Euro. Gibt es hingegen keinen überlebenden Ehepartner, verdoppelt sich für beide Kinder jeweils der Pflichtteilsanspruch auf entsprechend 50.000 Euro.

Wie hoch ist der Pflichtteil bei 3 Kindern?

Wie Sie an den vorangegangenen Beispielen mit ein bis zwei Kindern erkennen, sinkt die Höhe des Pflichtteilanspruchs mit Anzahl der Pflichtteilsberechtigten. Das wird noch einmal deutlicher, wenn es um die Pflichtteile bei drei Kindern geht.

Die Ehefrau des Verstorbenen ist im Beispiel wiederum Alleinerbin und es gibt drei Kinder. Weiterhin erhält die Ehefrau die Häflte. Für jedes Kind beträgt der jeweilige Pflichtteilsanspruch ein Zwölftel. Das wiederum bedeutet, dass beim gesamten Nachlass in Höhe von 200.000 Euro jedes der drei Kinder einen Pflichtteilsanspruch von etwas mehr als 16.500 Euro hat. Die Höhe des Pflichtteils verdoppelt sich wiederum, wenn kein überlebender Ehepartner mehr existieren würde.

Pflichtteil der Kinder auch von Güterstand der Eltern abhängig

Sollte es neben einem oder mehreren Kindern noch einen überlebenden Ehepartner geben, ist die Höhe des Pflichtteilanspruchs auch vom Güterstand der Eltern abhängig. Gibt es zum Beispiel ein Kind und haben die Eltern entweder in der gesetzlichen Zugewinngemeinschaft gelebt oder eine Gütertrennung vereinbart, beläuft sich der Pflichtteilsanspruch des Kindes auf ein Viertel. Hatten die Eltern hingegen eine Gütergemeinschaft, wäre der Pflichtteil mit drei Achtel etwas höher.

Pflichtteilergänzungsansprüche seitens der Kinder

Neben dem Pflichtteil können Kinder zudem unter Umständen einen sogenannten Pflichtteilergänzungsanspruch haben. Dieser besteht insbesondere dann, wenn es vor dem Tod des Erblassers Schenkungen an andere Kinder gegeben hat. Mehr dazu erfahren Sie auch in unserem Beitrag „Schenkung an Kinder zu Lebzeiten“.

So kann CDR Legal Ihnen helfen

Im Rahmen von Erbschaftsauseinandersetzungen kommt es relativ häufig dazu, dass Kinder ihren Pflichtteil einklagen müssen. Dies gilt insbesondere unter der Voraussetzung, dass diese durch den Erblasser mittels seines Letzten Willens faktisch enterbt wurden.

Ein qualifizierte Anwalt übernimmt zunächst die Aufgabe, den Pflichtteilsanspruch zu überprüfen. Die Anwaltskanzlei CDR-Legal ist auf dem Gebiet des Erbrechts und kann Mandanten daher zu diesem Thema unterstützen. Bei CDR-Legal profitieren Sie von einem kostenfreien, telefonischen Erstgespräch und können somit direkt Ihre Situation schildern.

Gerne unterstützt die Kanzlei Sie, wenn Sie gegenüber anderen Angehörigen Ihre Pflichtteilsansprüche durchsetzen möchten. Darüber hinaus prüft die Kanzlei auch, ob Sie vielleicht zusätzlich sogar Pflichtteilergänzungsansprüche geltend machen können.

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Die Autorin

Corinna Ruppel – Rechtsanwältin für Bankrecht und Kapitalmarktrecht in Rosenheim (Oberbayern)

Corinna Ruppel nutzt ihre Fachexpertise aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Kreditspezialistin und Syndikusanwältin, um Privatpersonen und Unternehmen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht, Insolvenzrecht und Erbrecht zu beraten und zu vertreten. Dabei legt sie besonderen Wert auf Transparenz und eine vertrauensvolle Basis dem Mandanten gegenüber.

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