Corinna Ruppel Rechtsanwältin
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Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren

So melden Gläubiger ihre Forderungen gegen Schuldner an

Wer gegenüber einem insolventen Schuldner Forderungen hat, sollte diese unbedingt rechtzeitig anmelden, damit der Insolvenzverwalter die Forderung aufnehmen kann. Ohne eine Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren würden Sie auf Ihr Recht verzichten, insbesondere Ihnen zustehendes Geld vielleicht aus der Insolvenzmasse zurück zu erhalten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Falls Sie als Gläubiger gegenüber einem insolventen Schuldner Forderungen haben, sollten Sie eine Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren durchführen, damit Ihre Ansprüche in der Insolvenztabelle aufgenommen werden
  • Bei der Forderungsanmeldung sind einige Daten anzugeben, wie zum Beispiel die Höhe der Forderungen, der Grund sowie die vollständige Bezeichnung des Gläubigers
  • Die Frist, innerhalb derer eine Forderungsanmeldung stattfinden muss, wird vom zuständigen Insolvenzgericht festgelegt
  • Die Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren ist an den Insolvenzverwalter zu richten, der in der Regel ein entsprechendes Formular versendet

Was ist die Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren?

Nachdem über das Vermögen eines Unternehmens die Insolvenz seitens des zuständigen Gerichtes eröffnet wurde, erhalten Gläubiger die Benachrichtigung, ihre Forderungen zur Insolvenztabelle anzumelden. In dem Zusammenhang setzt das Gericht gleichzeitig eine Frist, innerhalb derer die Forderungsanmeldung stattfinden sollte.

Anzumelden sind sogenannte Insolvenzforderungen. Dabei handelt es sich um sämtliche, noch Forderungen seitens des Gläubigers, die zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung existieren. Dafür stellt der Paragraph 38 Insolvenzordnung (InsO) die rechtliche Basis.

Mit der Forderungsanmeldung tun Sie also nichts anderes, als um die Aufnahme in die Insolvenztabelle zu ersuchen. Das ist notwendig, damit Ihre Ansprüche im besten Fall im Rahmen der Insolvenz vollständig befriedigt werden können.

Welche Forderungen sind zur Insolvenztabelle anzumelden?

Innerhalb der Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren sollten Sie sämtliche Forderungen angeben, die einerseits zu begründen und andererseits noch nicht beglichen sind. Eine Ausnahme gilt für sogenannte nachrangige Gläubiger auf Grundlage des Paragraphen 39 Insolvenzordnung. Diesen wird empfohlen, die Forderungsanmeldung erst nach expliziter Aufforderung durchzuführen.

Grundlage für die anzumeldenden Forderungen ist der Paragraph 38 Insolvenzordnung. Nach diesem haben Insolvenzgläubiger das Recht, ihren begründeten Vermögensanspruch gegenüber dem Schuldner geltend zu machen. Dazu muss allerdings der Grund der entsprechenden Forderung unbedingt angegeben werden.

Damit der Insolvenzverwalter die entsprechende Forderung nicht bestreitet, sollte diese glaubhaft und möglichst plausibel begründet werden. Daher empfiehlt es sich, einige beweisende Unterlagen der Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren beizufügen. Sollte die Forderung erbrachte Lieferungen oder Leistungen als Grundlage haben, sind zum Beispiel folgende Nachweise empfehlenswert:

  • Bestellungen
  • Rechnungen
  • Lieferscheine
  • Verträge
  • Übersicht zu Einzelposten

Welche Inhalte muss die Forderungsanmeldung zur Insolvenztabelle haben?

Damit die Forderungsanmeldung seitens des Insolvenzverwalters möglichst problemlos akzeptiert wird, sind bestimmte Anforderungen an den Inhalt zu erfüllen. Diese gründen sich in erster Linie auf den Paragraphen 174 Insolvenzordnung. Dort ist zum Beispiel festgehalten, dass die Forderungsanmeldung zum einen schriftlich und zum anderen in deutscher Sprache vorgenommen werden muss.

Das Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren Formular wird Ihnen normalerweise seitens des Insolvenzverwalters zugesendet. Im Wesentlichen sind es die folgenden Angaben, welche die Anmeldung zwingend enthalten sollte:

  • Vollständiger Name des Gläubigers
  • Forderungsbetrag
  • Rechtsgrund der Forderung
  • Zinsen
  • Nachweise der angemeldeten Forderung(en)

Die vollständige Angabe des Namens sowie des Forderungsbetrages versteht sich im Grunde seitens des Gläubigers von selbst. Ebenfalls sollte die Forderungsanmeldung Zinsen für den Zeitraum beinhalten, die auf das säumige Kapital bis zum Beginn des Insolvenzverfahrens anfallen.

Ebenfalls ist es wichtig, den Rechtsgrund der angemeldeten Forderung anzugeben. Hier kommen wiederum Belege als Nachweise in Spiel, mit denen die Anmeldung der Forderung untermauert wird.

Bis wann muss die Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren erfolgen?

Innerhalb welcher Frist die Forderungsanmeldung erfolgen muss, legt das zuständige Insolvenzgericht fest und teilt sie Ihnen als Gläubiger mit. Entnommen werden kann die entsprechende Frist auch dem Eröffnungsbeschluss. Sollten Sie die Frist einmal verpasst haben, bedeutet das jedoch nicht, dass Sie die Forderung auf keinen Fall mehr anmelden können.

Meistens ist es auch nach Ablauf der genannten Frist noch möglich, die Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren durchzuführen. Normalerweise funktioniert das bis zum sogenannten Schlusstermin. Allerdings kann in dem Fall eine zusätzliche Gebühr fällig werden, die in der Regel durchschnittlich bei 20 Euro liegt.

Wie geht es nach der Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren weiter?

Nachdem Sie die Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren vorgenommen haben, werden Ihre angemeldeten Forderungen innerhalb des sogenannten Prüfungstermins auf deren Berechtigung überprüft. Immerhin kann es passieren, dass bestimmte Parteien die von Ihnen angemeldete Forderung bestreiten, insbesondere:

  • Insolvenzverwalter
  • Schuldner
  • Andere Insolvenzgläubiger

In dem Zusammenhang ist es möglich, die Forderungen entweder in ihrer Gänze oder zum Teil bzw. im Hinblick auf deren Rang zu bestreiten. Interessant zu wissen ist, dass das Insolvenzgericht allerdings nicht dafür zuständig ist, über ein rechtmäßiges Bestreiten der angemeldeten Forderung zu entscheiden.

Sollten weder der Insolvenzverwalter noch andere Gläubiger die Forderungsanmeldung bestreiten, gilt das als Feststellung der Anmeldung nach Paragraph 178 Insolvenzordnung. Selbst beim Bestreiten seitens des Schuldners gilt das, es sei denn, es handelt sich um eine angeordnete Eigenverwaltung. In dem Fall würde das Bestreiten des Schuldners dazu führen, dass die Forderung nicht festgestellt wird.

Sollte der Insolvenzverwalter die angemeldete Forderung bestreiten, haben Gläubiger die Möglichkeit, eine sogenannte Feststellungsklage zu erwirken. Abhängig vom jeweiligen Streitwert muss das entweder vor dem Amtsgericht oder einem Landesgericht passieren. Sollte das Gericht die angemeldete Forderung bestätigen, findet die Aufnahme in die Insolvenztabelle statt.

Welche Kosten verursacht die Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren?

Die Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren verursacht dann Kosten, wenn damit ein Rechtsanwalt beauftragt wird. In diesem Fall belaufen sich die Gebühren auf 0,5 Prozent, falls der Rechtsanwalt lediglich die Forderungsanmeldung übernimmt.

Wie ist eine Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren auszufüllen?

Das Ausfüllen eines Formulars zur Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren ist relativ selbsterklärend. Im Feld „Gläubiger“ muss zum Beispiel bei Einzelpersonen der Vor- und Zunahme nebst Postanschrift angegeben werden. Bei juristischen Personen ist zum einen die vollständige Firmenbezeichnung und zum anderen der Name des Geschäftsführers anzugeben.

Im Feld „Hauptforderung“ sind zunächst einmal Forderungen gleiche Art in einer Summe als Hauptforderung zusammenzufassen. Dazu zählen in der Regel insbesondere:

  • Warenlieferungen
  • Arbeitsentgelte
  • Kredite
  • Mieten

Bei Warenlieferungen sollte zusätzlich die entsprechende Rechnungsnummer nebst Rechnungsdatum angegeben werden. Bei wiederkehrenden Forderungen ist der entsprechende Zeitraum zu erfassen, ebenfalls bei Arbeitsentgelten.

In der Rubrik Zinsen muss ein entsprechender Prozentsatz genannt sein und wann die Zinsberechnung begonnen hat. Darüber hinaus ist der entsprechende Zinssatz zu belegen, es sei denn, es werden die gesetzlichen Verzugszinsen in Rechnung gestellt.

In der Kategorie Kosten tragen Sie eine möglichst detaillierte Aufstellung der entsprechenden Kosten ein. Zudem sollten die Kosten bezeichnet werden, wie zum Beispiel: Gerichtskosten oder Kosten für einen Mahnbescheid.

In welcher Form muss ich Sicherheiten anmelden?

Manchmal werden im Rahmen eines Insolvenzverfahrens nicht nur Geldforderungen angemeldet, sondern es geht um Sicherheiten. Dazu zählt insbesondere das Sicherungseigentum, wie zum Beispiel einfache Eigentumsvorbehalte, Verpfändungen oder Abtretungen.

Solche Sicherheiten fallen auf Grundlage der Insolvenzordnung in die Rubrik der sogenannten Aus- und Absonderungsrechte. Das wiederum bedeutet, dass die entsprechenden Forderungen seitens der Gläubiger bei der Anmeldung den Titel „für den Ausfall“ tragen müssen. Auch hier gilt es, diese Forderungen zu belegen und damit nachzuweisen.

Fazit zur Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren

Die Forderungsanmeldung ist im Insolvenzverfahren von großer Bedeutung. Ohne eine solche Anmeldung könnten Ihre Forderungen nämlich nicht berücksichtigt werden, sodass Sie im Insolvenzverfahren leer ausgehen würden. Zwar gibt es bestimmte Fristen, innerhalb der die Forderungsanmeldung stattfinden muss. Allerdings können Sie in der Regel auch anschließend noch eine Anmeldung vorliegen, falls Sie die Frist versäumt haben.

In der Forderungsanmeldung sind einige Daten relevant, insbesondere Name nebst Anschrift, die Höhe der angemeldeten Forderung und Sie sollten Ihre Forderungen belegen können. Wird die Forderung nicht seitens Insolvenzverwalters oder anderer Gläubiger bestritten? Dann werden Sie anschließend bei Abschluss des Insolvenzverfahrens aus einer möglichen Insolvenzmasse befriedigt – falls diese ausreichend sein sollte.

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Die Autorin

Corinna Ruppel – Rechtsanwältin für Bankrecht und Kapitalmarktrecht in Rosenheim (Oberbayern)

Corinna Ruppel nutzt ihre Fachexpertise aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Kreditspezialistin und Syndikusanwältin, um Privatpersonen und Unternehmen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht, Insolvenzrecht und Erbrecht zu beraten und zu vertreten. Dabei legt sie besonderen Wert auf Transparenz und eine vertrauensvolle Basis dem Mandanten gegenüber.

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