Insolvenzrecht.info – Wie ist der Ablauf des Insolvenzverfahrens?

Eine Übersicht der wichtigsten Themen fĂŒr GlĂ€ubiger


Video: Einleitung zum Thema „Ablauf des Insolvenzverfahrens“ von RechtsanwĂ€ltin Corinna Ruppel

Das Unternehmen Ihres Kunden ist insolvent und Sie warten noch auf die Begleichung offener Zahlungen? Sie haben Anzahlungen geleistet und warten auf Lieferung oder Leistung? Dieser Artikel verschafft Ihnen einen Überblick darĂŒber, wie das Insolvenzverfahren von Firmen ablĂ€uft und welche Rechte Sie als GlĂ€ubiger geltend machen können und sollten.

Worum geht es im Insolvenzverfahren?

Im Insolvenzverfahren fĂŒr Firmen/Unternehmen (auch Regelinsolvenz genannt) geht es hauptsĂ€chlich darum, die Forderungen der GlĂ€ubiger gegenĂŒber dem insolventen Unternehmen auf gerechte Art zu vertreten. Vereinfacht ausgedrĂŒckt: was noch ĂŒbrig ist, soll anteilig an die GlĂ€ubiger verteilt werden. Dieser Ablauf der Unternehmensinsolvenz erstreckt sich je nach KomplexitĂ€t des Sachverhalts in der Regel ĂŒber mehrere Jahre.

Dieser Artikel behandelt NICHT die Privatinsolvenz / Verbraucherinsolvenz.

Ablauf des Insolvenzverfahrens

Ablauf Insolvenzverfahren Schaubild – Die Regelinsolvenz fĂŒr GlĂ€ubiger

Der Insolvenzverfahren Ablauf gliedert sich in die folgenden 3 Abschnitte:

  1. Insolvenzantrag
  2. Im Eröffnungsverfahren stehen die AntragsprĂŒfung und Sicherheitsmaßnahmen im Vordergrund. Mit den Sicherheitsmaßnahmen will der Staat  sicherstellen, dass kein Vermögen ungeregelt an dritte Parteien abfließt und möglichst viel fĂŒr die GlĂ€ubiger ĂŒbrig bleibt.
  3. Das (eröffnete) Insolvenzverfahren unterteilt sich dann in verschiedene Phasen der Abwicklung (und manchmal der FortfĂŒhrung) des Unternehmens.

Insolvenzantrag und AntragsprĂŒfung

Der Antrag auf Insolvenzeröffnung

Den Antrag auf Insolvenzeröffnung stellt meist der Schuldner selbst (Eigenantrag) oder ein GlĂ€ubiger (Fremdantrag). Der Schuldner – meist vertreten durch GeschĂ€ftsfĂŒhrer oder VorstĂ€nde hat die Pflicht zur Antragstellung, wenn 3 GrĂŒnde vorliegen: ZahlungsunfĂ€higkeit, Überschuldung oder drohende ZahlungsunfĂ€higkeit.

Die AntragsprĂŒfung

Ist der Antrag gestellt, prĂŒft das Gericht zunĂ€chst ob die InsolvenzgrĂŒnde glaubhaft sind und leitet erste Sicherheitsmaßnahmen ein. Dabei geht es darum, dass kein GlĂ€ubiger benachteiligt werden soll und gleichzeitig das Unternehmen fortgefĂŒhrt werden soll, wenn es sinnvoll ist. Mehr zur AntragsprĂŒfung finden Sie hier.

Der Insolvenzverwalter

Hat das Gericht dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens zugestimmt, bestimmte es einen Insolvenzverwalter. Genauer den vorlĂ€ufigen Insolvenzverwalter. Denn erst wenn das Verfahren auch eröffnet wird, entfĂ€llt das „vorlĂ€ufig“. Es gibt drei Arten von vorlĂ€ufigen Insolvenzverwaltern: Der schwache, der halbstarke und der starke Insolvenzverwalter. Im Wesentlichen geht es dabei darum, wieviel der Schuldner selbst noch bei der FortfĂŒhrung der GeschĂ€fte mitsprechen kann. Hier gelangen Sie zu einem weiterfĂŒhrendem Artikel zu den Aufgaben & Kompetenzen des Insolvenzverwalters.

Regeln im Eröffnungsverfahren

Der Eröffnungsbeschluss

Das Insolvenzgericht eröffnet das Insolvenzverfahren auf Antrag des Schuldners oder der GlĂ€ubiger. Eine der Voraussetzungen dafĂŒr ist, dass das Vermögen des Schuldners wahrscheinlich ausreichen wird, die Kosten des Verfahrens zu decken. Sonst wird das Verfahren „mangels Masse“ abgelehnt – 2019 waren dies etwa 30% aller beantragten Verfahren (Destatis). Außerdem veröffentlicht es den Eröffnungsbeschluss des Insolvenzverfahrens und stellt ihn den bis dato bekannten GlĂ€ubigern und dem Schuldner gesondert zu. Damit verbunden sind eine Reihe von rechtlichen Konsequenzen fĂŒr die GlĂ€ubiger.

Allgemeine Wirkungen der Verfahrenseröffnung

Ab dem Zeitpunkt der Eröffnung des Insolvenzverfahrens verĂ€ndern sich die MachtverhĂ€ltnisse im Unternehmen: Die GeschĂ€ftsfĂŒhrung ist entmachtet, selbst dann wenn sie EigentĂŒmer des Unternehmens ist. Stattdessen erhĂ€lt der Insolvenzverwalter alle rechtlichen Befugnisse, verwaltet das Vermögen und leitet die GeschĂ€fte (§ 80 InsO). Sein oberstes Ziel ist es, durch Mehrung des Vermögens der Gesellschaft, die Forderungen der GlĂ€ubiger bestmöglich zu bedienen. Lesen Sie hier mehr zu den Auswirkungen der Insolvenzverfahrenseröffnung.

Regeln im (eröffneten) Insolvenzverfahren

Gesamtvollstreckung statt Einzelvollstreckung

Das Insolvenzverfahren hat zum Ziel, die Insolvenzmasse gerecht und gleichmĂ€ĂŸig unter allen GlĂ€ubigern aufzuteilen. Um eine BeeintrĂ€chtigung dieses Ziels zu verhindern, erteilt das Insolvenzgericht deswegen Vollstreckungsverbote. Damit soll verhindert werden, dass einzelne GlĂ€ubiger sich bevorzugt aus der Masse bedienen, bevor die Gesamtvollstreckung stattfinden kann. Das Insolvenzrecht lĂ€sst dennoch Einzelvollstreckungen in engen Grenzen zu: Erfahren Sie hier mehr ĂŒber die Einzelvollstreckung seitens der GlĂ€ubiger.

Absonderungsrecht

Durch das Absonderungsrecht erschafft das Insolvenzrecht eine Ausnahme der Gleichbehandlung aller GlÀubiger im Insolvenzverfahren. Besitzt zum Beispiel ein GlÀubiger ein Pfandrecht auf einen Gegenstand des Unternehmens, wird dieser bevorzugt behandelt. Ein Beispiel ist eine Maschine, die ein Lieferant dem Unternehmen geliehen hat oder unter Eigentumsvorbehalt geliefert hat. Hier muss man als GlÀubiger rechtzeitig tÀtig werden und das Absonderungsrecht geltend machen.

Aussonderungsrecht

Die Aussonderung im Insolvenzverfahren bezeichnet die Ausgliederung von GegenstĂ€nden, die nicht zur Insolvenzmasse gehören. So kann der Insolvenzverwalter also keine Objekte dem Unternehmensvermögen hinzufĂŒgen, die nicht dem Schuldner gehören. Das ist gerade bei kleineren, eigentĂŒmergefĂŒhrten Unternehmen gar nicht so leicht. Was gehört zum Privatvermögen des Unternehmers, was zum Unternehmen? Im Zweifel wird ein Insolvenzverwalter oft davon ausgehen, dass VermögensgegenstĂ€nde dem Unternehmen zuzurechnen sind.

Aufrechnung

Aufrechnung bedeutet gegenseitige Forderungen zweier Parteien zu verrechnen. Einfach gesagt: A schuldet B 100 und B schuldet A 50. Durch Aufrechnung schuldet dann A dem B noch 50. Das Insolvenzverfahren beeinflusst das Recht zur Aufrechnung grundsĂ€tzlich nicht. Der GlĂ€ubiger kann dem Insolvenzverwalter gegenĂŒber eine Aufrechnung erklĂ€ren und muss seine Forderung daher nicht im Insolvenzverfahren anmelden. Erfahren Sie hier mehr zu den Besonderheiten der Aufrechnung im Insolvenzverfahren.

Einfluss auf schwebende Prozesse

Es kann vorkommen, dass zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags gerichtliche Prozesse fĂŒr bzw. gegen das insolvente Unternehmen laufen. Laut § 80 Abs. 1 InsO endet jedoch das ProzessfĂŒhrungsbefugnis des Schuldners mit der Eröffnung des Verfahrens. Das heißt auch hier darf der GeschĂ€ftsfĂŒhrer nichts mehr tun und der Insolvenzverwalter entscheidet ĂŒber das weiter Vorgehen in dem Prozess. Lesen Sie hier mehr ĂŒber den Einfluss des Insolvenzverfahrens auf schwebende (anhĂ€ngige) Prozesse.

ErfĂŒllung schwebender VertrĂ€ge

Ein schwebender Vertrag ist ein Vertrag, der nur zum Teil erfĂŒllt ist. Ein einfaches Beispiel: Lieferant A liefert KĂ€ufer B Ware und B hat den vereinbarten Preis noch nicht bezahlt. Ist ein gegenseitiger Vertrag zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung nur von einer Seite erfĂŒllt, gelten die folgenden Vorschriften: Hat der Vertragspartner des Schuldners seinen Teil bereits ganz erfĂŒllt, muss er seinen Gegenanspruch als Insolvenzforderung geltend machen.

  • Wenn KĂ€ufer B insolvent ist und noch nicht bezahlt hat, muss Lieferant A nun seine Forderung als Insolvenzforderung geltend machen. In der Praxis bedeutet das fĂŒr Lieferanten oft einen erheblicher Verlust.
  • Wenn Lieferant A insolvent ist, seine Leistung jedoch erfĂŒllt hat, muss KĂ€ufer B den vollen Kaufpreis bezahlen.

Mehr zu der ErfĂŒllung schwebender VertrĂ€ge finden Sie hier.

Zusammenfassung des Ablaufs

GrundsĂ€tzlich gliedert sich das Insolvenzverfahren in eine VorprĂŒfung (Eröffnungsverfahren) und dem Hauptverfahren (Insolvenzverfahren), in dem es darum geht, die GlĂ€ubiger bestmöglich zu befriedigen.

Sind Sie ein GlĂ€ubiger eines insolventen Unternehmens und möchten Ihre AnsprĂŒche geltend machen?Melden Sie sich gerne. Als Kanzlei fĂŒr Insolvenzrecht bewerten wir Ihre Chancen in einem unverbindlichen ErstgesprĂ€ch, beraten Sie im weiteren Vorgehen und unterstĂŒtzen Sie bei der Durchsetzung Ihrer Rechte.

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Oft gestellte Fragen zum Insolvenzrecht

Was ist das Insolvenzrecht?

Das Insolvenzrecht regelt die Zwangsvollstreckung ĂŒber das Vermögen eines insolventen Schuldners.

Wozu dient das Insolvenzrecht?

Das Insolvenzrecht dient der gerechten Verteilung des noch vorhandenen Vermögens eines insolventen Schuldners an seine GlÀubiger.

Wo ist das Insolvenzrecht geregelt?

Das Insolvenzrecht ist In der Insolvenzordnung (InsO) geregelt.

Seit wann gibt es das Insolvenzrecht?

Seit dem 10.02.1877: Damals hieß es Konkursordnung. Also zu Beginn der starken ökonomischen Entwicklung nach der ReichsgrĂŒndung in Deutschland.

Oft gestellte Fragen zum Insolvenzverfahren

Welche Arten von Insolvenzverfahren gibt es?

Das Regelinsolvenzverfahren und das Verfahren in Eigenverwaltung. Vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens auch das vorlÀufige Insolvenzverfahren.

Wer ist Schuldner im Insolvenzverfahren?

Das insolvente Unternehmen oder die insolvente Privatperson.

Wer ist GlÀubiger im Insolvenzverfahren?

Jeder der noch AnsprĂŒche gegen den Schuldner hat. Z.B: Lieferanten, Mitarbeiter, Vermieter, Kunden etc.

Wer beantragt das Insolvenzverfahren?

In der Regel der Schuldner, bei Kapitalgesellschaften vertreten durch GeschĂ€ftsfĂŒhrer / Vorstand. Es können aber auch GlĂ€ubiger den Antrag stellen.

Wann wird ein Insolvenzverfahren eröffnet?

Wenn das Gericht feststellt, dass genĂŒgend Masse vorhanden ist. Das heißt also Geld, das fĂŒr die Kosten des Verfahrens an sich ausreichend ist. GrundsĂ€tzlich mĂŒssen ebenfalls GrĂŒnde zur Insolvenz vorliegen.

Wie lange dauert ein Insolvenzverfahren?

Im gĂŒnstigsten Fall ein paar Monate, meist wesentlich lĂ€nger. In komplexen FĂ€llen mehrere Jahre.

Wie viel kostet ein Insolvenzverfahren?

Das hĂ€ngt ab von der GrĂ¶ĂŸe der Masse (der Unternehmenswerte) und der Höhe der Forderungen.

Wer trÀgt die Kosten des Insolvenzverfahrens?

Der Schuldner also das insolvente Unternehmen, nur wenn die Masse grĂ¶ĂŸer als die erwarteten Kosten ist, wird das Verfahren eröffnet.

Wie lÀuft ein Insolvenzverfahren ab?

Antrag » Eröffnungsverfahren » Eröffnetes Insolvenzverfahren. Im eröffneten Insolvenzverfahren ĂŒbernimmt der Insolvenzverwalter die FĂŒhrung des Unternehmens. Er wird möglichst viel Vermögen in die Insolvenzmasse holen um es dann auf die GlĂ€ubiger zu verteilen.

Wo kann man Insolvenzverfahren einsehen / wo finde ich diese?

https://www.insolvenzbekanntmachungen.de

Was sollte ich als GlÀubiger im Insolvenzverfahren tun?

Meine Forderungen an den Insolvenzverwalter anmelden. Im Zweifel den Rat eines Anwaltes suchen. Er kann eine Reihe von Sondersachverhalten zu Gunsten einzelner GlĂ€ubiger prĂŒfen und durchsetzen.

Wann endet ein Insolvenzverfahren?

Nach Vollzug der Masseverteilung und der Schlussverteilung durch Beschluss des Gerichtes.

Die Autorin

Corinna Ruppel – RechtsanwĂ€ltin fĂŒr Bankrecht und Kapitalmarktrecht in Rosenheim (Oberbayern)

Corinna Ruppel nutzt ihre Fachexpertise aus ihrer langjĂ€hrigen TĂ€tigkeit als Kreditspezialistin und SyndikusanwĂ€ltin, um Privatpersonen und Unternehmen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht sowie Insolvenzrecht zu beraten und zu vertreten. Dabei legt sie besonderen Wert auf Transparenz und eine vertrauensvolle Basis dem Mandanten gegenĂŒber.

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