Aufrechnung in der Insolvenz / dem Insolvenzverfahren

Wenn zwei Personen Ansprüche gegeneinander haben, so kann jede Partei die Schuld durch Aufrechnung (§ 387 ff. BGB) zum Erlöschen bringen.

Ein Beispiel: Person A schuldet der Person B 1.000€, Person B wiederum schuldet der Person A 2.000€. Erklärt die Person A der Person B gegenüber nun die Aufrechnung, kann sie nur noch 1.000€ von ihr verlangen. Im Insolvenzverfahren kann dies besonders von Vorteil sein, da die Person A durch Aufrechnung gegenüber dem Insolvenzverwalter nur noch 1.000 € zur Tabelle anmelden. Die zweiten 1.000 EUR sind dadurch erloschen. Dies hat den Vorteil, dass A nicht 1.000 EUR an die Insolvenzmasse zahlen muss und bzgl. der 2.000 EUR auf die meist sehr niedrige Quote angewiesen ist.

Das Recht zur Aufrechnung besteht also auch während eines Insolvenzverfahrens. Allerdings schränken die §§ 94 bis 96 der InsO dieses Recht zum Schutz der Insolvenzmasse ein.

Zulässige Aufrechnung

Bestand die Möglichkeit zur Aufrechnung bereits vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens, gilt das Recht auch weiterhin. Der entsprechende Insolvenzgläubiger muss sich demnach nicht auf die Anmeldung seiner Forderung in der Insolvenztabelle beschränken (§94 InsO). Ist eine Aufrechnungsforderung zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung bereits begründet, aber noch nicht fällig, kann der Insolvenzgläubiger erst bei Fälligkeit die Aufrechnung erklären (§95 InsO). Trotz des späteren Zeitpunkts ist dies noch zulässig. Erreicht der Insolvenzgläubiger durch eine gestattete Aufrechnung nicht die Begleichung seiner gesamten Forderung, kann er außerdem den restlichen Betrag in der Insolvenztabelle anmelden.

Einschränkungen

Um die Summe der Insolvenzmasse möglichst nicht zu schmälern, schränkt der §96 InsO die Aufrechnung jedoch stark ein. Im Interesse aller Insolvenzgläubiger sollte das Vermögen, das für die gleichberechtigte Befriedigung aller Forderungen dienen soll, nicht verringert werden. Daher ist die Aufrechnung zum Beispiel unzulässig, wenn…

… die Forderung des Gläubigers erst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens entstanden ist oder von einem anderen Gläubiger erworben wurde (beispielsweise durch eine Erbschaft);

… der Gläubiger diese Möglichkeit durch eine anfechtbare Rechtshandlung erworben hat;

… sich die Forderung gegen das freie Vermögen des Schuldners richtet, das nicht zur Insolvenzmasse gehört.

Rechtstipp

Wenn Sie die Möglichkeit besitzen, gegenüber einem insolventen Unternehmen das Recht zur Aufrechnung geltend zu machen, lassen sie sich rechtlich beraten. Es gilt zu prüfen, ob Ihre Forderung zulässig ist und während des Insolvenzverfahrens angebracht werden kann. Wir beratschlagen Sie gerne und unterstützen Sie bei der Durchsetzung Ihrer Rechte!

Wie hilfreich fanden Sie den Artikel?

Klicken Sie auf die Sterne, um den Artikel zu bewerten

Durchschnittliche Bewertung: 4.3 / 5. Anzahl der Bewertungen: 36

Bisher gibt es keine Bewertungen des Artikel

We are sorry that this post was not useful for you!

Let us improve this post!

Tell us how we can improve this post?

Die Autorin

Corinna Ruppel – Rechtsanwältin für Bankrecht und Kapitalmarktrecht in Rosenheim (Oberbayern)

Corinna Ruppel nutzt ihre Fachexpertise aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Kreditspezialistin und Syndikusanwältin, um Privatpersonen und Unternehmen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht sowie Insolvenzrecht zu beraten und zu vertreten. Dabei legt sie besonderen Wert auf Transparenz und eine vertrauensvolle Basis dem Mandanten gegenüber.

Ihr kostenloses Erstgespräch:
08031 / 7968029

Die Kanzlei

Persönliche Betreuung
Über 20 Jahre Erfahrung
Ex-Bankmitarbeiterin
Deutschlandweite Vertretung
Kostenloses Erstgespräch

Bekannt aus

Bekannt aus Kommentar der Frankfurter AllgemeinenBekannt aus Kommentar Süddeutschen