Der Insolvenzverwalter: Aufgaben und Kompetenzen

Was ist die Rolle des Insolvenzverwalters – was darf er und was darf er nicht?

Nun ist es soweit: Das Gericht hat dem Antrag auf das Eröffnungsverfahren zugestimmt und bestellt einen Insolvenzverwalter. Seine Hauptaufgabe ist es, die Insolvenzmasse des Unternehmens zu ermitteln und sie unter den fordernden Gläubigern aufzuteilen. Doch was sind eigentlich genau die Aufgaben eines Insolvenzverwalters und wie bewertet man seine Kompetenzen? Was darf er und was darf er nicht? Was ist der Unterschied zwischen einem starken und einem schwachen? In diesem Artikel beantworten wir diese Fragen.

Der (vorläufige) Insolvenzverwalter

Vor der Zulassung des Insolvenzverfahrens bestellt das Gericht zumeist schon einen vorläufigen Insolvenzverwalter. Dieser soll während der Überprüfung des Antrags auf das Eröffnungsverfahren sicherstellen, dass sich die finanzielle Lage des Unternehmens nicht noch weiter verschlechtert. Er gilt also als einer der Sicherheitsmaßnahmen. Der vorläufige Insolvenzverwalter besitzt nur eingeschränkte Rechte und Pflichten, die das Insolvenzgericht zuvor individuell festlegt. Unterschieden wird zwischen einem „schwachen“ und einem „starken“ vorläufigen Insolvenzverwalter. Letzterer geht häufig in den „endgültigen“ Insolvenzverwalter über.

„Schwacher“ vorläufiger Insolvenzverwalter

Besitzt ein Insolvenzverwalter nur die Aufgabe, die Insolvenzmasse ohne verfügungsbeschränkende Befugnisse zu sichern, gilt er als „schwach“. Mit ihm möchte das Insolvenzgericht verhindern, dass die Gläubiger eine vorhergehende Vollstreckung erwirken. Denn oft versuchen die Gläubiger, sobald sie von der drohenden Insolvenz des Unternehmens erfahren, ihre Forderungen vorab noch beglichen zu bekommen. Da allerdings eine gleichberechtigte Verteilung der Insolvenzmasse angestrebt wird, gilt es dies zu verhindern.

„Halbstarker“ vorläufiger Insolvenzverwalter

Erhält er zudem noch verfügungsbeschränkte Anforderungen in Form eines Zustimmungsvorbehalts, spricht man von einem „halbstarken“ Insolvenzverwalter. So kann der Schuldner unter der Zustimmung des Insolvenzverwalters über das Vermögen seines Unternehmens verfügen und Entscheidungen treffen. Diese Variante ist besonders sinnvoll, wenn das Unternehmen während des Insolvenzverfahrens weiterhin unter dem Inhaber bzw. dem Geschäftsführer geführt werden soll.

„Starker“ vorläufiger Insolvenzverwalter

Im Falle des Auftretens eines „starken“ Insolvenzverwalters hat der Schuldner selbst keine Macht mehr über das Vermögen seines Unternehmens. Es liegt ein allgemeines Verfügungsverbot vor. Die Beauftragung eines „starken“ Insolvenzverwalters entspricht oft auch der Beauftragung des endgültigen, der das eröffnete Insolvenzverfahren begleiten wird.

Der Insolvenzverwalter

Obwohl das Gericht den Insolvenzverwalter bestellt, kann eine Gläubigerversammlung für den Austausch dieser Person sorgen. Schließlich sollte es sich um eine kompetente Person handeln, die beiden Parteien gegenüber gerecht wird. Zum einen ist er der Interessenvertreter der Gläubiger, da er das vorhandene Vermögen des Unternehmens gerecht unter ihnen aufteilen soll. Zum anderen sollte er sich allerdings auch dem Schuldner gegenüber verpflichtet fühlen. Denn ein Ziel des Insolvenzverwalters ist es, dass das insolvente Unternehmen seine Schulden begleichen und trotzdem fortbestehen kann.

Die Vermögensbefugnis des insolventen Unternehmens geht mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens auf den Insolvenzverwalter über. Somit kann er die Insolvenzmasse sichten und sich einen Überblick über die bestehenden Forderungen der Gläubiger schaffen. Es ist seine Pflicht, in den Gläubigerversammlungen die Teilnehmer über den aktuellen Stand des Insolvenzverfahrens zu informieren. Ansonsten hat er allerdings keine Auskunftspflicht ihnen gegenüber. In der Versammlung selbst haben die Gläubiger die Möglichkeit, über den Insolvenzverwalter Einfluss auf das Insolvenzverfahren zu nehmen.

Letztendlich entscheidet nämlich dieser über die Zukunft des insolventen Unternehmens: Sanierung oder Liquidierung? Um diese Entscheidung treffen zu können, benötigt er viel Zeit für die Einarbeitung in die Probleme des Schuldners. Sieht er die Möglichkeit, das Unternehmen zu retten, wird er einen Sanierungsplan erstellen. Hierbei handelt es sich um das Konzept der Sanierung. Der Plan liegt zudem dem Gericht vor. Die Arbeit eines Insolvenzverwalters endet mit dem Abschluss des Insolvenzverfahrens, welches sich über einige Jahre hin erstrecken kann.

Das Insolvenzverwalter FAQ

Aus den vielen Anfragen unserer Mandanten haben wir hier ein paar praktische Tipps für den Fall, dass Sie mit einem Insolvenzverwalter zu tun bekommen.

Wie komme ich an mein Geld im Insolvenzverfahren?

2 Dinge vorab: es dauert meist lange und es ist fast immer nur ein Bruchteil des Wertes Ihrer Forderung. Der Insolvenzverwalter prüft alle Forderungen an den Gläubiger. Sie sollten diese Forderungen anmelden. Dann prüft der Insolvenzverwalter was an Vermögenswerten noch da ist. Er wird Forderungen an Dritte eintreiben.

Anschließend wird die Quote berechnet: Die Höhe des gesamten Vermögens geteilt durch die Höhe aller Forderungen. Sie bekommen dann Ihre Forderung multipliziert mit der Quote ausgezahlt. Ein Beispiel: Sie haben eine Forderung in Höhe von € 10.000,- gegen den Gläubiger. Die Quote mit 20% festgestellt. Sie bekommen dann € 2.000,- aus der Masse ausgezahlt. Wenn Sie weiters keine Ausnahmen geltend machen können, war es das. Ausnahmen sind z.B. durch Absonderung oder Aussonderung möglich. Zum Beispiel wenn ein Vermögenswert Ihnen gehört, er aber vom Insolvenzverwalter der Masse zugerechnet wird. Spätestens dann sollten Sie einen erfahrenen Anwalt zu Rate ziehen.

Eine Firma (Schuldner) ist insolvent – was kann ich tun?

Wenn Sie eine Forderung gegen das Unternehmen haben, dann sollten Sie diese beim Insolvenzverwalter anmelden. Lassen Sie sich von einem erfahrenen Anwalt vertreten, insbesondere wenn Sie noch eine Geschäftsbeziehung zum insolventen Unternehmen haben oder Ausnahmen geltend machen wollen.

Der Insolvenzverwalter fordert Geld von mir – wie kann ich mich wehren?

Das kommt regelmäßig vor bei Fonds, die ihren Anlegern Geld ausgeschüttet haben, obwohl sie keine Gewinne gemacht haben. Oder es handelt sich aus Forderungen aus schwebenden Verträgen, zum Beispiel für erbrachte Lieferungen oder Leistungen. In solchen Fällen sollten Sie sich rechtlich beraten lassen. Die Insolvenzordnung ist sehr komplex und nur gute Anwälte sind in der Lage alles zu tun, um den Schaden für Sie so klein wie möglich zu halten. Hier erfahren Sie mehr dazu wie Sie sich bei Rückforderungen von Zahlungen durch den Insolvenzverwalter am besten verhalten.

Der Insolvenzverwalter bestreitet meine Forderung – was kann ich tun?

Sie müssen Ihre Forderung natürlich belegen können. Oft fehlen einfach nur Unterlagen beim Schuldner wie Rechnungen, die man nachreichen kann. Wenn es komplizierter wird, gilt das gleiche wie zuvor gesagt: suchen Sie Rechtsbeistand. Ein guter Anwalt wird für Sie erst einmal prüfen ob die Kosten für seinen Einsatz in einem sinnvollen Verhältnis zum möglichen wirtschaftlichen Ergebnis stehen.

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Die Autorin

Corinna Ruppel – Rechtsanwältin für Bankrecht und Kapitalmarktrecht in Rosenheim (Oberbayern)

Corinna Ruppel nutzt ihre Fachexpertise aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Kreditspezialistin und Syndikusanwältin, um Privatpersonen und Unternehmen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht sowie Insolvenzrecht zu beraten und zu vertreten. Dabei legt sie besonderen Wert auf Transparenz und eine vertrauensvolle Basis dem Mandanten gegenüber.

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