LeaseTrend AG fordert Auseinandersetzungsguthaben ein

Anleger sollen nach Kündigung zahlen

Video Einleitung zum Thema „Kündigung der Leasetrend AG“ von Rechtsanwältin Corinna Ruppel

Die LeaseTrend AG hat gegenüber ihren atypisch stillen Gesellschaftern die Kündigung der Beteiligung zum 31.12.2020 erklärt. Gleichzeitig hat sie darauf verwiesen, dass die Kapitalkontenstände eines jeden Anlegers negativ seien. Die Anleger seien daher zur Rückzahlung der in der Vergangenheit erhaltenen Ausschüttungen verpflichtet. Dabei geht die Gesellschaft stillschweigend davon aus, dass 100 % der Ausschüttungen zurückzuzahlen sind. Sollten die Anleger sofort zahlen, wäre die Gesellschaft auch mit 80 % zufrieden. Um der Forderung einen gewissen Nachdruck zu verleihen, wurde das Schreiben per Gerichtsvollziehe zugestellt.

Hintergrund der LeaseTrend AG

In den Jahren 2000 bis 2002 beteiligten sich die Anleger der LeaseTrend AG in Form einer atypisch stillen Beteiligung am Unternehmen. Ein atypisch stiller Gesellschafter hat eine eigentümerähnliche Stellung inne. Er ist am Gewinn, Verlust und Eigentum der Gesellschaft beteiligt. Verzeichnet die Gesellschaft Verluste, werden ihm diese anteilsmäßig zugewiesen.

Die Mindestlaufzeit der Beteiligung betrug je nach Beteiligung zwischen 10 und 15 Jahre. Danach kann die Beteiligung laut Gesellschaftsvertrag von beiden Seiten mit einer Frist von 12 Monaten zum Jahresende gekündigt werden.

Die Einlagen konnten als Einmalanlage (Einlageform Classic), als Einmalanlage mit Wiederanlage (Plus) oder als Ratenanlage (Sprint) geleistet werden. In den ersten Jahren erhielten die Anleger noch Zinsen. Dann stellte die Gesellschaft die Zahlungen ein.

Begründung der Rückforderung

Nach Beendigung der Beteiligung ist das Beteiligungsverhältnis abzurechnen. Wie die Berechnung erfolgt, ist im Gesellschaftsvertrag festgelegt. Aus Erfahrung wird darum aber trotzdem immer heftig gestritten.

Dieses sogenannte Auseinandersetzungsguthaben kann allerdings auch negativ ausfallen, sodass der Anleger an die LeaseTrend AG zahlen muss, und zwar maximal bis zur Höhe der erhaltenen Ausschüttungen.

Ein negatives Auseinandersetzungsguthaben ergibt sich zum Beispiel, wenn die Gesellschaft in all den Jahren überwiegend Verluste erwirtschaftet hat. Laut Kündigungsschreiben der LeaseTrend AG ist das bei ihr der Fall. Über die Jahre hätten sich die Kapitalkontenstände immer weiter verschlechtert.

Betrachtet man den Kapitalkontostand zum Jahresabschluss 2018 müssten die Anleger ca. 80 % ihrer Ausschüttungen zurückzahlen. Laut Kündigungsschreiben sei davon auszugehen, dass sich in 2019 und 2020 die Kapitalkontenstände noch weiter verschlechtern würden. In der Folge müssten die Anleger vermutlich 100 % ihrer Ausschüttungen zurückzahlen. Ein Totalverlust.

Handlungsempfehlung im Fall der LeaseTrend AG

Folglich empfiehlt das Unternehmen gleichzeitig in seinem Schreiben, sich an den Rechtsanwalt Hoffmann zu wenden, um eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Mit der Empfehlung des Schreibens will die LeaseTrend AG sich offensichtlich die zuvor erwähnte Berechnung sparen. Das Unternehmen versucht die betroffenen Anleger schnell zu einer Zahlung zu bewegen, um die eigene Liquidität zu erhöhen. Im Normalfall müsste es erst den Jahresabschluss von 2020 abwarten und anschließend die Auseinandersetzungsberechnung durchführen. Erst danach kann entschieden werden, ob und wieviel die Anleger wirklich zahlen müssen. Und erst dann kann die Gesellschaft diesen Anspruch auch durchsetzen.

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen

Die Zustellung durch den Gerichtsvollzieher ist kein Indiz für die Rechtmäßigkeit der Forderung. Dieser prüft nicht, ob die Kündigung berechtigt ist und ein Anspruch der Gesellschaft gegen den Anleger besteht. Vor Ende 2020 und ohne die Auseinandersetzungsberechnung besteht aus unserer Sicht keine Verpflichtung seitens des Anlegers, Zahlung an die LeaseTrend AG zu leisten.

 

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Die Autorin

Corinna Ruppel – Rechtsanwältin für Bankrecht und Kapitalmarktrecht in Rosenheim (Oberbayern)

Corinna Ruppel nutzt ihre Fachexpertise aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Kreditspezialistin und Syndikusanwältin, um Privatpersonen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht zu beraten und zu vertreten. Dabei legt sie besonderen Wert auf Transparenz und eine vertrauensvolle Basis dem Mandanten gegenüber.

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