Insolvenz der Hanseatisches Fußball Kontor GmbH

Insolvenzverwalter der HFK fordert zur Rückzahlung von Ausschüttungen auf

Das Insolvenzverfahren der Hanseatisches Fußball Kontor GmbH (HFK) ist eröffnet. Etwa 2.500 Anleger investierten in Form eines Nachrangdarlehens insgesamt mehr als 24 Millionen Euro Kapital in verschiedene Fonds des Unternehmens. Im Gegenzug versprach die HFK Zinsen in Höhe von etwa 8% bei einer Laufzeit von 360 Tagen. Das eingesammelte Kapital sollte in Transferrechte und Fußballvereine investiert werden.

Was sind Nachrangdarlehen?

Nachrangdarlehen sind eine typische Form von Investitionsmöglichkeiten in Gesellschaften. Allerdings sind diese häufig sehr riskant. Denn im Falle einer Insolvenz werden Gläubiger mit einem Nachrangdarlehen nachrangig, nach allen anderen Gläubigern, bedient. Dies betrifft nun auch die Anleger der HFK. Erst nach der Befriedigung aller anderen Verbindlichkeiten nimmt der Insolvenzverwalter die Begleichung des Nachrangdarlehens vor. Das Risiko dieser Anlagemöglichkeit wird meistens, wie auch im Fall der HFK, mit großzügigen Zinsversprechungen ausgeglichen.

Zur Insolvenz der HFK

Gläubiger stellten den Insolvenzantrag

Die „lukrative Anlageklasse Fußball“ stellte sich als erfolglos heraus. Das Unternehmen selbst wollte dies offenbar nicht sehen. Schließlich waren es verschiedene Gläubiger, die einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens einreichten, und nicht das Unternehmen selbst. Seit dem 17. Juni 2019 ist das Insolvenzverfahren eröffnet. Das Amtsgericht Schwerin bestellte den Hamburger Rechtsanwalt Stephan Münzel zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Hintergrund der Insolvenz

Schon im Jahr 2013 zeigten die Bilanzen der Hanseatisches Fußball Kontor GmbH rote Zahlen. Zwar konnte das Unternehmen einen vergleichbar minimalen Gewinn erzielen, der jedoch nicht ausreichte, um die Schulden auch nur ansatzweise zu tilgen. Die HFK ist seitdem dauerhaft überschuldet. Eine börsennotierte Anleihe sollte zu einem späteren Zeitpunkt für eine Umstrukturierung sorgen. Zuvor wurden die Gelder nur in Transferrechte für Fußballer investiert, anschließend sollten auch Beteiligungen an Vereinen erworben werden.

Rückzahlungen der Darlehen blieben aus

Zur gleichen Zeit blieben bei vielen Anlegern die Rückzahlung ihrer Darlehen aus. Die versprochene Rendite verfiel demnach auch. Trotz mehrerer Mahnschreiben und dem Einsatz von Anwälten leistete die Hanseatisches Fußball Kontor GmbH die Rückzahlungen nicht. Die Begründung des Unternehmens: Aufgrund der Restrukturierung der HFK konnten die Darlehen zum damaligen Zeitpunkt nicht zurückgezahlt werden.

Aufforderung zur Rückzahlung erhaltener Ausschüttungen

Um die Insolvenzmasse des Unternehmens zu erhöhen, fordert nun der Insolvenzverwalter Stephan Münzel die Anleger außerdem dazu auf, bereits erhaltene Ausschüttungen der HFK an das Unternehmen zurückzuzahlen. Das bedeutet, dass die Anleger, die zu Beginn Profit aus ihrer Investition schlagen konnten, die Auszahlungen gegebenenfalls zurückzahlen müssten.

Dies ist durchaus möglich. Denn laut § 172 Abs. IV HGB ist der Insolvenzverwalter befähigt, gewinnunabhängige Ausschüttungen zurückzufordern. Das liegt daran, dass bei gewinnunabhängigen Ausschüttungen die Einlage des Anlegers als nicht geleistet gilt. Im Gegenzug muss der Insolvenzverwalter allerdings eine detaillierte Auflistung des Verwendungszwecks der eingeforderten Gelder vorweisen und öffentlich darlegen.

Finanztest warnte zuvor vor einer Investition

Schon im Jahr 2010 warnte der Finanztest vor dem geschlossenen Fonds FTR 1 Fußball GmbH & Co. KG. Die äußert hohen versprochenen Zinsen der HFK waren demnach fast unmöglich einzuhalten. Generell sind Investitionen, die in kurzer Zeit eine recht hohe Rendite versprechen, mit Vorsicht zu genießen. Häufig verstecken sich hinter den augenscheinlich lukrativen Angeboten sehr hohe Risiken, die am Ende der Anleger tragen muss. Je nach Investitionsform kann dies auch sein Privatvermögen betreffen. Im Fall der HFK ist jedoch nur das investierte Vermögen von einem möglichen Verlust betroffen.

Einschätzung der Aufforderung zur Rückzahlung der Ausschüttungen

Für den Einsatz des § 172 Abs. IV HGB müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, die der Insolvenzverwalter nachzuweisen hat:

  • die geleisteten Ausschüttungen müssen gewinnunabhängig sein
  • die geforderten Gelder dürfen nur für die Befriedigung der Gläubiger verwendet werden
  • die Forderung auf die Rückzahlung darf noch nicht verjährt sein. Im Besonderen ist auf die absolute Verjährung von 10 Jahren zu achten.

Es gibt viele Aspekte, die einen Widerspruch ermöglichen.

Was können Anleger der HFK tun?

Sie als Anleger der Hanseatisches Fußball Kontor GmbH (HFK) sollten sich in jedem Fall anwaltliche Unterstützung suchen. Es gilt zu prüfen, ob der Insolvenzverwalter Stephan Münzel alle Voraussetzungen nachweisen kann, um auf den § 172 Abs. IV HGB zurückgreifen zu können. Außerdem könnten Sie in Betracht ziehen, Ihren Finanzberater unter bestimmten Umständen auf Schadensersatz zu verklagen. Denn informierte dieser Sie nicht ausreichend über die äußerst hohen Risiken dieser Investition, hat er seine Pflichten verletzt und kann somit zur Rechenschaft gezogen werden.

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Die Autorin

Corinna Ruppel – Rechtsanwältin für Bankrecht und Kapitalmarktrecht in Rosenheim (Oberbayern)

Corinna Ruppel nutzt ihre Fachexpertise aus ihrer langjährigen Tätigkeit als Kreditspezialistin und Syndikusanwältin, um Privatpersonen in allen Fragen rund um Bank- und Kapitalmarktrecht zu beraten und zu vertreten. Dabei legt sie besonderen Wert auf Transparenz und eine vertrauensvolle Basis dem Mandanten gegenüber.

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