Oil & Gas Invest AG – das vorläufige Insolvenzverfahren

Oil & Gas Invest AG ließ im Juni 2018 durch seinen Vorstand Markus Schulz mitteilen, daß der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt wurde. Das Amtsgericht Frankfurt hat das vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet. Den Anlegern der Oil & Gas Investieren AG droht damit der Verlust ihrer Einlagen.

Ist das Geschäftsmodell der Oil & Gas Invest AG glaubwürdig?

Die Gesellschaft sammelte Gelder in Form von Nachrangdarlehen bei deutschen Anlegern ein. Sie garantierte den Anlegern eine Festverzinsung von bis zu 12 % p.a. Zusätzlich garantierte der damalige Vorstand der Oil & Gas Invest, Herr Wagentrotz, die Rückzahlung der Nachrangdarlehen.  Mit den Geldern sollte Öl in den USA gefördert werden. Die Oil & Gas Invest behauptete Zugang zu besonders lukrativen Fördergebieten zu haben. Die Gesellschaft untermauerte dies auch durch Gutachten. Einige Quellen zweifelten diese Gutachten jedoch später an.

Die Stiftung Warentest meldete bereits im März 2015 u.a. aus folgenden Gründen Zweifel an dem Geschäftsmodell an:

  • Warentest verwies darauf, dass das Modell Nachrangdarlehen mit Rückzahlungsgarantie durch Herrn Wagentrotz, ein nach den Regeln der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) unerlaubtes Einlagengeschäft ist. Tatsächlich hat die Bafin kurze Zeit später dem Unternehmen aufgegeben, die Nachrangdarlehen vorzeitig zurückzuführen. Das hat die Oil & Gas Invest auch getan, gleichzeitig aber wieder Gelder eingeworben. Diesmal ohne Rückzahlungsgarantie durch Herrn Wagentrotz. Statt dessen jedoch mit dem Versprechen, den Geldanlegern einen Bonus von 3 % der Darlehenssumme zu zahlen. 
  • Warentest hielt auch die prognostizierten Fördermengen für zu optimistisch. Kritisiert wurde, dass die Gesellschaft immer nur mit maximalen Fördermengen rechne. Ausfälle und Fehlbohrungen aber nicht in Betracht ziehe. 

Erste Schwierigkeiten bei der Oil & Gas Invest AG

Die Befürchtungen der Stiftung Warentest wurden Wirklichkeit. Im Jahresabschluss 2014 musste die Gesellschaft eingestehen, dass zwei von vier Bohrungen nicht erfolgreich waren. Jetzt plante die Gesellschaft auch erfolglose Bohrungen ein, mit der Folge, dass der Finanzbedarf stieg. Erstmals wurde auch auf die Risiken eines sinkenden Ölpreises hingewiesen. In der Informationsbroschüre wird der Anleger darauf übrigens nicht hingewiesen. Im Februar 2018 wurden den Anlegern mitgeteilt, dass sie vorerst auf Ausschüttungen verzichten müssten.

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Nachrangdarlehen und Insolvenz

Nachrangdarlehen werden im Fall der Insolvenz in dem Sinne nachrangig behandelt, als sie erst nach den Verbindlichkeiten der Gläubiger im Sinne des § 38 InsO bedient werden, aber noch vor den Eigenkapitalgebern. Sie nehmen nicht an der Quote teil. 

Sie werden in der Bilanz als Verbindlichkeit ausgewiesen. Aufgrund der Nachrangigkeit zu anderen Fremdkapitalgebern bezeichnet man sie aber auch als eigenkapitalähnliche Darlehen. 

Rechte der Anleger von Oil & Gas Invest AG

Handelt es sich tatsächlich um Nachrangdarlehen, so müssen die Anleger mit einem Totalausfall rechnen. 

Aber erst einmal gilt es zu prüfen, ob tatsächlich ein Nachrangdarlehen vereinbart wurde. Auch ist darüber nachzudenken, ob dem Anleger nicht ein Widerrufsrecht zusteht. Im Fall eines wirksamen Widerrufs wandelt sich das Darlehen in ein Rückgewährschuldverhältnis um. Die daraus erwachsenden Forderungen rücken im Rang auf und wären gleichberechtigt mit den Gläubigern nach § 38 InsO zu befriedigen. 

Denkbar sind auch Schadensersatzansprüche gegen die Gesellschaft oder die Anlagevermittler der Gesellschaft. Bei Ansprüchen gegen den Anlagevermittler kommt es darauf an, wie und in welchem Umfang er den Anleger informiert hat. Hat er dem Anleger z.B. die Bedeutung des Nachrangdarlehens verschwiegen, so ist er unter Umständen wegen Falschberatung haftbar (siehe hier). 

Die Kanzlei CDR Legal Rechtsanwalt betreut bundesweit Mandanten in den Bereichen Bank- und Kapitalmarktrecht. Sind auch Sie Anleger der Oil & Gas Invest AG, so unterstützen wir Sie gerne bei der Geltendmachung Ihrer Rechte. In einem gemeinsamen Gespräch erörtern wir Ihre Möglichkeiten und entscheiden gemeinsam, wie Sie Ihre wirtschaftlichen Interessen am Besten wahren können.

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