Hat Ihre Bank den Immobilienkredit oder Ihre Baufinanzierung gekündigt, droht der Verlust des Hauses. Entscheidend ist jetzt, ob die Kündigung wirksam ist, welche Folgen tatsächlich drohen und welche Schritte Sie kurzfristig prüfen sollten.

Ihre Handlungsoptionen im Überblick

Wenn Sie eine Kündigung erhalten haben, sollten Sie zügig handeln – denn Zeit spielt eine entscheidende Rolle. Einen Überblick über weitere Probleme rund um den Immobilienkredit – etwa Zahlungsschwierigkeiten, Trennung oder die vorzeitige Ablösung – finden Sie in unserem Artikel Probleme mit dem Immobilienkredit.

Nach Zugang einer Kündigung sollten Sie vor allem diese Punkte prüfen lassen:

  • Unterlagen und Fristen sichern: Bewahren Sie zunächst das Kündigungsschreiben, den Darlehensvertrag, frühere Zahlungsaufforderungen und Fristsetzungen auf. Unterlagen zur Grundschuld oder Vollstreckung sind besonders wichtig, wenn die Bank bereits weitere Schritte angekündigt hat.
  • Kündigung auf Wirksamkeit prüfen lassen: Ob die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen, lässt sich nur anhand des Darlehensvertrags, des Kündigungsschreibens und weiterer Unterlagen beurteilen.
  • Gespräch mit der Bank suchen: Eine einvernehmliche Lösung kann auch nach Zugang einer Kündigung noch möglich sein. Die Kommunikation sollte jedoch mit einer zügigen rechtlichen Prüfung abgestimmt werden.
  • Weitere rechtliche Schritte prüfen: Ob gerichtliche Maßnahmen oder Schadensersatzansprüche in Betracht kommen, hängt vom Kündigungsgrund, den Unterlagen und dem Stand eines möglichen Vollstreckungsverfahrens ab.

Welche weiteren Unterlagen im Einzelfall wichtig sind und welche Fristen zu beachten sind, hängt vom Kündigungsgrund und dem Verfahrensstand ab.

Darf die Bank einen Immobilienkredit überhaupt kündigen?

Bei einer für beide Seiten fest vereinbarten Laufzeit kann die Bank einen Immobilienkredit grundsätzlich nicht ordentlich vorzeitig kündigen. Sie braucht regelmäßig einen besonderen Kündigungsgrund und muss die jeweiligen gesetzlichen Voraussetzungen einhalten.

Dieser Artikel behandelt private Immobilienfinanzierungen, die durch eine Grundschuld oder Hypothek gesichert sind. Für solche Immobiliar-Verbraucherdarlehen gelten insbesondere die Vorschriften der §§ 491 ff. BGB. Bei gewerblichen Darlehen, variabel verzinsten Krediten oder atypischen Vertragsgestaltungen können andere Regelungen gelten – diese Konstellationen sind hier nicht Gegenstand.

Wenn Ihre Bank den Immobilienkredit gekündigt hat, sind vor allem drei Fragen entscheidend:

  1. Worauf stützt die Bank die Kündigung?
  2. Darf sie die gesamte Restschuld verlangen?
  3. Welche Unterlagen sollten jetzt geprüft werden?

Häufig geht es um Zahlungsrückstände § 498 BGB. Daneben können eine wesentliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse oder der Werthaltigkeit von Sicherheiten eine Rolle spielen § 490 BGB. Auch der Darlehensvertrag und die Allgemeinen Darlehensbedingungen können Klauseln enthalten, deren Wirksamkeit und Anwendung im Einzelfall zu prüfen sind.

Welche Gründe berechtigen die Bank zur Kündigung?

Zahlungsverzug

In vielen Fällen begründet die Bank die Kündigung mit Zahlungsrückständen. Deshalb sollte gerade dieser Kündigungsgrund besonders sorgfältig geprüft werden. Bei einem Verbraucherdarlehensvertrag mit Teilzahlungen regelt § 498 BGB, unter welchen Voraussetzungen die Bank den gesamten Darlehensbetrag fällig stellen darf. Bei Immobiliar-Verbraucherdarlehen – also Krediten, die durch ein Grundpfandrecht wie eine Grundschuld gesichert sind – gelten folgende Anforderungen kumulativ:

  • Der Darlehensnehmer ist mit mindestens zwei aufeinanderfolgenden Raten ganz oder teilweise im Rückstand.
  • Die Summe der rückständigen Beträge erreicht mindestens 2,5 Prozent des Nennbetrags des Darlehens (bei einem Darlehensbetrag von 200.000 € also mindestens 5.000 €).
  • Die Bank hat dem Darlehensnehmer schriftlich eine Frist von mindestens zwei Wochen zur Zahlung des rückständigen Betrags gesetzt und dabei die Kündigung für den Fall der Nichtzahlung ausdrücklich angedroht.

Fehlt auch nur eine dieser Voraussetzungen, kann die auf Zahlungsverzug gestützte Kündigung des Darlehens unwirksam oder angreifbar sein. Die genaue rechtliche Folge lässt sich aber nur nach Prüfung des Darlehensvertrags, des Kündigungsschreibens, der Fristsetzung und gegebenenfalls weiterer Unterlagen beurteilen. Das ist einer der häufigsten Ansatzpunkte, um eine Kündigung anzugreifen.

VoraussetzungMindestanforderung
Verzug mit Ratenmindestens 2 aufeinanderfolgende Raten
Rückstandshöhemindestens 2,5 % des Nennbetrags
Fristsetzung mit Androhungmindestens 2 Wochen, mit ausdrücklicher Androhung der Gesamtfälligstellung

Verschlechterung der Vermögensverhältnisse

Nach § 490 Abs. 1 BGB kann die Bank den Kredit außerordentlich kündigen, wenn sich die Vermögensverhältnisse des Darlehensnehmers wesentlich verschlechtert haben oder eine solche Verschlechterung droht – und dadurch die Rückzahlung des Darlehens konkret gefährdet ist. Für die Beurteilung kommt es regelmäßig auf einen Vergleich mit den Verhältnissen bei Vertragsabschluss an. Die Umstände des Einzelfalls sind dabei entscheidend. Ob die Bank eine wesentliche Verschlechterung oder deren drohenden Eintritt nachvollziehbar darlegen kann, hängt von den konkreten Gegebenheiten ab.

Wichtig: Die bloße Verschlechterung genügt nicht. Die Bank muss zusätzlich dartun, dass deshalb die vollständige Rückzahlung des Darlehens konkret gefährdet ist.

Wertverfall der Immobiliensicherheit

Sinkt der Wert der Immobilie erheblich, kann dies den Wert der Sicherheit für die Bank beinträchtigen. Nicht jeder Wertrückgang reicht dafür aus. § 490 Abs. 1 BGB setzt voraus, dass sich der Wert der Sicherheit wesentlich verschlechtert und dadurch die Rückzahlung des Darlehens konkret gefährdet wird. Auch hier kommt es wieder auf die Umstände des Einzelfalls an.

Kündigungsgründe in den AGB der Bank

Viele Banken räumen sich in ihren AGB zusätzliche Kündigungsrechte ein. Ob solche Klauseln im Einzelfall wirksam sind, unterliegt der Prüfung. AGB-Klauseln sind unwirksam, wenn sie gesetzlichen Schutzvorschriften widersprechen oder den Darlehensnehmer entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen benachteiligen. Ob dies bei einer konkreten Klausel der Fall ist, lässt sich nur anhand des Vertrags und der jeweiligen Situation beurteilen.

Besondere Bedeutung hat in der Praxis häufig die Klausel zur Nachbesicherung bei gesunkenem Immobilienwert. Ob eine solche Klausel wirksam ist und ob die Bank sie rechtmäßig angewandt hat, lässt sich nur nach Prüfung der konkreten Vertragsunterlagen und der Umstände des Einzelfalls beurteilen. Pauschale Aussagen sind hier nicht möglich.

Welche Folgen hat die Kündigung für Sie?

Die Konsequenzen einer wirksamen Kreditkündigung sind erheblich. Mit der Kündigung wird die gesamte Restschuld sofort fällig.

Zahlen Sie die fällig gestellte Restschuld nicht, kann die Bank die Zwangsvollstreckung in die Immobilie betreiben. Die Kreditkündigung und eine mögliche Vollstreckung aus der Grundschuld sind rechtlich getrennt zu prüfen. Wenn die Bank die Grundschuld gekündigt hat oder eine Zwangsversteigerung androht, finden Sie weitere Informationen in unserem Artikel zur Kündigung der Grundschuld durch die Bank.

Eine Zwangsversteigerung birgt das Risiko eines wirtschaftlich ungünstigen Verwertungsergebnisses. Welchen Erlös eine Versteigerung tatsächlich erzielt, hängt unter anderem vom Verkehrswert der Immobilie, bestehenden Belastungen, dem Verfahrensablauf und dem Bieterverhalten ab – verlässliche Prognosen sind dazu im Vorfeld kaum möglich.

Ob und in welcher Form die Bank einen Zahlungsausfall oder eine Kündigung an Auskunfteien wie die Schufa meldet, ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Eine Meldung ist nicht zwingend. Eine solche Datenweitergabe kann jedoch dazu führen, dass Ihre Bonität bei künftigen Verträgen schlechter bewertet wird.

Wenn noch keine Kündigung vorliegt, Sie Ihre Raten aber voraussichtlich nicht mehr tragen können, finden Sie im Artikel Baukredit nicht mehr zahlbar Hinweise zu möglichen Schritten vor einem Zahlungsverzug oder einer Kreditkündigung.

Was können Sie gegen die Kündigung unternehmen?

Der erste Schritt ist die Prüfung, ob die Kündigung wirksam ist.

Liegt kein hinreichender Kündigungsgrund vor oder hat die Bank die gesetzlichen Voraussetzungen nicht eingehalten, kann die Kündigung rechtlich angreifbar sein. Der Kreditvertrag besteht dann fort, und die Bank hat keinen Anspruch auf sofortige Rückzahlung der Restschuld – nur auf die vertraglich vereinbarten Raten.

Für eine erste Einschätzung sind neben dem Darlehensvertrag und dem Kündigungsschreiben häufig auch die Allgemeinen Darlehensbedingungen, frühere Fristsetzungen und Zahlungsaufforderungen, eine Aufstellung der rückständigen Beträge sowie die Sicherheitenunterlagen wichtig. Dazu gehören insbesondere die Grundschuldbestellung und die Sicherungsabrede. Ist das Verfahren bereits fortgeschritten, sollten auch vorhandene Vollstreckungsunterlagen geprüft werden. Das ist keine abschließende Checkliste; welche Dokumente im Einzelfall entscheidend sind, hängt vom konkreten Sachverhalt und dem jeweiligen Verfahrensstand ab.

Wichtig: Bei drohender oder bereits laufender Vollstreckung können Fristen eine besondere Rolle spielen. Welche gerichtlichen Maßnahmen und weiteren Schritte sinnvoll sind, hängt vom Verfahrensstand und den vorhandenen Unterlagen ab.

Hat die Bank eine ihr obliegende Pflicht verletzt und ist hierdurch ein konkreter, nachweisbarer Schaden entstanden, kann ein Schadensersatzanspruch in Betracht kommen. Ob die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind und welche Schäden gegebenenfalls geltend gemacht werden können, ist gesondert zu prüfen.

Diese Schritte sind juristisch anspruchsvoll und können fristgebunden sein. Gerade weil einzelne Verfahrensschritte Kenntnisse des Bank- und Prozessrechts erfordern, lohnt es sich in vielen Fällen, frühzeitig fachliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Wenn eine Trennung oder Scheidung die Finanzierung zusätzlich belastet, lesen Sie auch unseren Artikel zu Hauskredit bei Trennung und Scheidung.

CDR Legal ist spezialisiert auf Bank- und Kapitalmarktrecht und begleitet Darlehensnehmer, deren Immobilienkredit von der Bank gekündigt wurde. Wir prüfen, ob die Kündigung die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt, und vertreten Sie – wenn nötig – gegenüber der Bank oder vor Gericht. Im kostenlosen Erstgespräch können Sie Ihren Fall schildern und erhalten eine erste Einschätzung, welche Handlungsoptionen in Ihrer Situation realistisch sind.

F.A.Q.

Darf die Bank einen Immobilienkredit einfach kündigen?

Für private, grundpfandrechtlich gesicherte Immobiliar-Verbraucherdarlehen mit fest vereinbarter Laufzeit und gebundenem Sollzinssatz – also Immobiliar-Verbraucherdarlehen im Sinne des § 491 BGB – gilt: Eine ordentliche Kündigung durch die Bank ist nicht möglich. Die Bank kann den Vertrag nur außerordentlich kündigen, wenn gesetzlich anerkannte Gründe vorliegen – etwa erheblicher Zahlungsverzug oder eine wesentliche Verschlechterung der Vermögensverhältnisse – und die gesetzlichen Voraussetzungen vollständig eingehalten sind. Bei gewerblichen Darlehen oder atypischen Vertragsgestaltungen können andere Regeln gelten.

Wann darf die Bank wegen Zahlungsverzugs kündigen?

Nach § 498 BGB setzt eine wirksame Kündigung wegen Zahlungsverzugs bei Immobiliar-Verbraucherdarlehen mindestens zwei aufeinanderfolgende rückständige Raten voraus, deren Summe mindestens 2,5 Prozent des Darlehensnennbetrags erreicht. Zusätzlich muss die Bank dem Darlehensnehmer schriftlich eine Frist von mindestens zwei Wochen zur Zahlung des rückständigen Betrags setzen und dabei die Kündigung für den Fall der Nichtzahlung ausdrücklich androhen. Fehlt eine dieser Voraussetzungen, kann die Kündigung angreifbar oder unwirksam sein – die genaue rechtliche Folge lässt sich aber nur nach Prüfung der konkreten Unterlagen beurteilen.

Kann die Bank nach 10 Jahren den Immobilienkredit kündigen?

Das Zehnjahreskündigungsrecht nach § 489 Abs. 1 Nr. 2 BGB steht dem Darlehensnehmer zu, nicht der Bank. Es kann nach Ablauf von zehn Jahren seit dem vollständigen Empfang des Darlehens mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten ausgeübt werden. Die Bank bleibt auch danach auf außerordentliche Kündigungsgründe angewiesen.

Was passiert, wenn die Kündigung unwirksam ist?

Ist die Kündigung unwirksam, besteht der Kreditvertrag zu den ursprünglichen Bedingungen fort. Die Bank kann die Restschuld nicht sofort verlangen, sondern nur die vertraglich vereinbarten Raten. Ob und mit welchem Mittel eine bereits eingeleitete Zwangsvollstreckung abgewehrt werden kann, hängt vom Verfahrensstand und den vorliegenden Unterlagen ab – das lässt sich nicht pauschal beurteilen. Hat die Bank dabei rechtswidrig oder pflichtwidrig gehandelt und ist Ihnen ein nachweisbarer Schaden entstanden, kann ein Schadensersatzanspruch in Betracht kommen; die Voraussetzungen sind im Einzelfall gesondert zu prüfen.

Muss ich die gesamte Restschuld sofort zahlen?

Ob die Bank die gesamte Restschuld sofort verlangen kann, hängt davon ab, ob die Kündigung wirksam ist und welche vertraglichen sowie gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Bei einer Kündigung wegen Zahlungsverzugs sind insbesondere Höhe und Dauer des Rückstands sowie das vorherige Schreiben der Bank wichtig. Liegt bereits eine Aufforderung zur Zahlung der Restschuld oder ein Vollstreckungsschreiben vor, sollten diese Unterlagen zeitnah geprüft werden.

Quellen